Venedig liegt in der Wüste - Las Vegas investiert Milliarden in Hotels und sucht sich eine ältere Zielgruppe mit mehr Einkommen

Gondeln unter Kunsthimmel
Las Vegas (ADN). Wenn Venedig doch einmal in der Lagune versinkt, gibt es immer noch Ersatz jenseits des Atlantik. Zwar nicht mehr romantisch und moderig, dafür ohne Taschendiebe und hygienisch wie ein Krankenhaus. In der Wüste von Nevada, im Herzen der Spielerstadt Las Vegas, eröffnet am 14. April «The Venetian Resort Hotel Casino». Fast so groß wie Venedig, sauberer als Venedig und vielleicht auch fast so teuer wie Venedig: 1,2 Milliarden Dollar (2,1 Milliarden DM) hat der 65jährige Investor Sheldon Adelson für den Hotel-Palast aufgetrieben. Mit der Eröffnung wird ein weiterer Baustein für das neue Las Vegas gesetzt. Ob die Investoren zu hoch gepokert haben, können selbst die Banker an der Wall Street noch nicht einschätzen.
Im Oktober 1998 wurde «The Bellagio» mit 3.000 Zimmern und Kosten von 1,6 Milliarden Dollar eröffnet. Im März folgte «Mandala Bay» mit 3.700 Zimmern für eine Milliarde Dollar. Als nächstes steht «The Venetian» auf dem Plan. Im
Herbst folgt das «Paris» der Hilton-Kette mit 2.900 Zimmern und 760 Millionen Dollar Baukosten sowie einem eigenen (um die Hälfte verkleinerten) Eiffel-Turm. Bis zur Jahrtausendwende soll die Spielerstadt in der Wüste 127.000 Hotelzimmer
haben - mehr als New York, Paris oder Los Angeles. Die meisten neuen Hotels siedeln sich in der Luxus-Kategorie an und haben sich vom 49-Dollar-Zimmer pro Nacht verabschiedet. 150 Dollar (260 DM) können es jetzt sein. Statt Mittagsbuffet
für 3,99 Dollar stehen jetzt Hauptgerichte für 20 Dollar auf der Speisekarte.
Die Spielbarone haben eine neue Zielgruppe: Leute über 50, die ohne Kinder reisen und über ein hohes Einkommen verfügen. In den kommenden 15 Jahren wird
alle 13 Sekunden ein Amerikaner die Altergrenze von 49 Jahren überschreiten, beruhigen die Investoren. Dazu kommen Tagungs- und Messegäste. Adelson hat so 900 Millionen Dollar mit dem Verkauf seiner Messerechte an der «Comdex» verdient.
Doch ein Risiko bleibt. Das «Bellagio» muß so täglich 2,5 Millionen Dollar einnehmen. Die Börse auf der anderen Seite des Kontinents wartet ab. Die Erweiterung der Zimmerkapazität in Las Vegas um 20 Prozent innerhalb kurzer Zeit wird mit
Sorge betrachtet. Die Asienkrise - selbst der Sultan von Brunei muß sparen und die Ölscheichs verdienen auch weniger - reduziert die Zahl der «Big Spender».
So versuchen sich die Hotels mit Attraktionen gegenseitig zu überbieten.
Im 1996 für 200 Millionen Dollar völlig renovierten Desert Inn blitzen goldene Wasserhähne in der 800 Quadratmeter großen Casa Grande Suite. «Wer Kasino-Kreditlimit von über einer Million Dollar vorweisen kann, schläft hier umsonst -
ansonsten für 15.000 Dollar», berichtet Amy Hendrix. Ein Gast aus dem nahen Osten wird am Nachmittag einchecken. Dazu kommt der hoteleigene Golfplatz und mit «Monte Carlo» das einzige Fünf-Diamanten-Restaurant Nevadas.
The Venetian
bietet 3.000 mindestens 70 Quadratmeter große Suiten auf 35 Stockwerken, einen 96 Meter hohen Campanile, den Markusplatz samt Tauben, Gondeln und den Dogenpalast. Nicht zu vergessen die 2.500 Spielautomaten und 130 Spieltische. In der
Südsee der «Mandalay Bay» wogen zwei Meter hohe Wellen. Vor dem «Bellagio» erstreckt sich ein fünf Hektar großer Lago di Como.
Von den höheren Preisen in den neuen Luxus-Hotels sollten sich Reisende aber nicht abschrecken lassen. Es gibt immer noch die günstigen Angebote mit den preiswerten Buffets. Die Attraktionen der neuen Hotels sind kostenlos auch für
jeden Nicht-Hotelgast zugänglich (nur nicht die 300 Millionen Dollar teure Sammlung moderner Kunst im «Bellagio»). Mehr Informationen gibt es im Internet unter www.lasvegas24hours.com und auf deutsch unter www..toursundtravel.de/lasvegas.htm.

Zimmer und Bad im Venetian
toa/mey
ADN5001 29. März 1999 10:00 Uhr

Die Lobby

Blick in die Lobby

Decke im großen Saal

Pool mit Blick auf
das Venetian






















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