Thüringer Erfahrungen halfen bei amerikanischer Unabhängigkeit - Steuben Parade pflegt deutsche Erinnerungen

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Alt und Neu liegen in
New York eng beisammen

New York (ADN). Wenn New York am 17. September die 37. Steuben-Parade zu Ehren des ehemaligen US-Generals Friedrich Wilhelm Ludolf Gerhard Augustin von Steuben abnimmt, dann müßte eigentlich auch des weit entfernten thüringischen Suhls gedacht werden. Die Verdienste des am 17. September 1730 in Magdeburg geborenen Barons im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg sind zwar unbestritten. Die ersten Erfahrungen mit den dort erfolgreichen Guerilla-Methoden hat er aber auf Kosten der Suhler gemacht, sagte Heinrich Jung, Verleger von "Das neue Heimatbuch".

Die kleine Stadt im Thüringer Wald war seit dem Mittelalter als "Waffenschmiede Europas" bekannt. Zur Zeit Steubens war Suhl noch sächsisch und befand sich so gegen Preußen im Siebenjährigen Krieg. Steuben diente in der preußischen Armee und führte am 24. April 1758 mit dem Batallion des Generals von Mayr einen Überraschungsangriff auf die von Seuchen und Teuerung gebeutelte Stadt durch. Bei dem Handstreich räumte er mit 150 Kürassieren und 130 Wagen die Waffenfabriken des Ortes aus. Der Wert der Beutegewehre wurde auf 1.580 Taler geschätzt - damals eine beträchtliche Summe.

Der Handstreich von Suhl ging nicht in die Geschichte ein und auch Steuben wäre beinnahe ein Niemand geblieben. Im Frühjahr 1763 wurde er als Hauptmann entlassen, da Friedrich der Große beim Militär Einsparungen vornehmen wollte. Der verarmte Baron gelangte über Paris nach Amerika, wo er als ehemaliger Generalleutnant vorgestellt wurde. "Steuben war auch ein Hochstapler", berichtet Jung. Als er 1778 in Georg Washingtons Hauptquartier eintraf, fand er eine hungernde und demoralisierte Truppe vor.

Steubens Verdienst liegt in der Umwandlung des wilden Haufens in eine disziplinierte Armee. Dazu gehörten auch Drill und preußische Methoden der Armee- und Generalstabsführung, die damals den britischen überlegen waren. 1778/79 erarbeitete er ein Reglement für die Soldaten, das als "Blaues Buch" eine Art Bibel für die US-Truppen wurde. Da Steuben kein Englisch sprach, war die Fertigstellung des Werkes kompliziert: Er schrieb in einfachem Französisch, das in flüssiges Französisch übersetzt wurde. Diese Version übertrug ein weiterer Übersetzer in literarisches Englisch und ein Dritter machte daraus praktisches, einfaches Englisch.

Steubens Bemühungen hatten Erfolg und waren ein wesentlicher Faktor beim Sieg der Amerikaner über die britische Kolonialmacht. 1784 wurde er in Ehren entlassen und bekam ab 1790 eine jährliche Pension von 2.500 Dollar. Am 28. November 1794 starb er auf seinem Landsitz im Staat New York. Mit der jährlich von Zehntausenden Zuschauern begleiteten Parade in New York wird sein Andenken geehrt.

Die Deutsche Bundespost gibt am 9. November eine Sonderbriefmarke zum 200. Todestag Steubens heraus. Die Suhler werden keine Scheu haben, diese zu benutzen. "Immerhin waren sie mit dem Baron auch an einem Stück amerikanischer Geschichte beteiligt", begründet Jung.


toa/muc
120946 September 1994
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