König Hussein war ein einfacher Gast - Chefconcierge im Four Seasons Hotel Washington besorgt Flugzeuge, Pferdemedizin und Wohnungen

Concierge Javier Loureiro
Washington (ADN). König Hussein von Jordanien war ein einfacher Gast. 35 Big Macs vom nächsten McDonalds für fünf seiner Freunde mußte Javier Loureiro auftreiben. Kein Problem für den «besten Concierge der Welt» im Four Seasons Hotel in Washington. Etwas länger brauchten die Schuhe, die ein Gast in seiner Wohnung in New York vergessen hatte. Nach vier Stunden war der Page mit dem Flugzeug hin- und zurückgeflogen. Die Schuhe waren wichtig, immerhin stand ein Treffen mit dem Präsidenten bevor. «Nein gehört nicht zu meinem Vokabular», scherzt Loureiro.
55 verschiedene Anfragen mußte er in den vergangenen zwei Stunden abarbeiten, aber er strahlt noch immer die Ruhe eines japanischen Zen-Meisters aus. Ein häufiger Gast aus Südamerika hat seine Einkaufsliste vorausgeschickt:
Pferdemedizin bis Teile für den BMW müssen beschafft werden. Raum 346 will Rasiercreme, aber pronto. Eine Frau muß ihren Flug umbuchen. Jemand will ein Video für die Kinder, ein anderer fragt nach Restaurants. Der Ehemann ordert 30 Dutzend
Rosen zum Hochzeitstag auf das Zimmer. Ein älteres Ehepaar braucht Begleitung zum Flughafen. «Man steht immer am Rande des Chaos, darf aber nie hineinfallen», lächelt der 36jährige.
1979 fing der Wirtschaftsstudent nebenbei als
Kofferträger im neuen Four Seasons an. «Mein Diplom habe ich nie bekommen - das Hotelleben hat mich zu sehr fasziniert», erklärt er. Heute steht er vier weiteren Concierges vor, den Portiers und den Kofferträgern - insgesamt 20 Mann. Er
kann Karten für eine ausverkaufte Ausstellung oder ein Baseballspiel besorgen, dafür sorgen, daß Gäste für die Führung durch das Weiße Haus nicht zwei Stunden anstehen müssen oder sogar für einen Geschäftsmann ein Flugzeug am Sonntag
chartern.
«Es dauert Jahre, die dafür nötigen Kontakte aufzubauen», meint Loureiro. Die Frau vom Ticket-Service des Weißen Hauses sollte man da schon mit Vornamen grüßen können. Der Beruf des Concierge kann nicht erlernt werden,
auch wenn es Concierge-Schulen in Paris und Budapest gibt. Zehn bis zwölf Stunden dauert der Arbeitstag eines Concierges, fünf bis sechs Tage die Woche. Und in der Freizeit werden neue Kontakte geknüpft, neue Restaurants ausprobiert - dann
aber mit der Familie und den beiden Kindern Loureiros.
Lureiro ist mit der Hotelwelt groß geworden. Geboren wurde er zwar in Madrid, aber die Familie folgte bald dem Vater, der Hotelmanager in Washington war. Neben Spanisch und
Englisch spricht er auch noch Holländisch, so wie jeder seiner Kollegen mindestens noch eine Fremdsprache beherrscht. Die Conciergeorganisation Les Clefs d'Or zählt in den Vereinigten Staaten insgesamt 250 Mitglieder, die 150 Hotels
repräsentieren.
Unter den täglich 300 und mehr Aufgaben für Loureiro, sind einige, die er wohl nie vergessen wird. Ein Stammgast rief an, damit der Concierge einen Mercedes kauft und nach Saudi Arabien verschifft. Für einen anderen
hat er ein Appartment in New York ausgesucht und angemietet. Eine Frau bestellte einen Gesellschafter für ihren Pudel und gab eine zweiseitige Beschreibung mit, was das verwöhnte Tier mag und was nicht. Aber es kam auch schon mal vor, daß
Loureiro für einen Gast bürgte, dessen Kreditkartenfirma bei der Computerüberweisung der Hotelrechnung bockte. In so einem Fall, sollte man sich aber mindestens zehn Jahre kennen.
Weitere Informationen: The Four Seasons Hotel, 2800
Pennsylvania Avenue N.W., Washington, DC 20007, Telefon 001-202-3420444, Fax 001-202-3421673, Internet www.fourseasons.com.
toa/tba
ADN5001 20. Oktober 1998 09:43 Uhr

Lobby: Loureiros Arbeitsplatz

Zimmer

Badezimmer

Fitness-Center






















INHALT
USA
Bermuda
Puerto Rico
Hong Kong
Malaysia
China
Australien
Ägypten
Europa
Thüringen
Airlines
Hotels
Comics
Zeitungsseiten
Persönliches
Links
Bewerbung



