Am anderen Ende der Welt sächselt der Moderator ins Radiomikrofon - Deutsche Auswanderer in Südaustralien bilden eigene Gemeinschaft

Weinbauer Thumm
Adelaide (ddpADN). Wer 24 Stunden über 17.000 Kilometer ans andere Ende der Welt geflogen ist, sollte sich beim Radiohören über nichts wundern. Es könnte sein, daß ihm in Adelaide, der Hauptstadt von Südaustralien, das Lied von den Thüringer Kartoffelklößen entgegenklingt und Moderator Hans Renner sächsisch die letzten Neuigkeiten bekanntgibt. Auf Frequenz 92,9 MHz sendet "The German Voice", ein staatlich unterstütztes Minderheitenprogramm. Nach ihrem geschäftlichen Einfluß zu urteilen, können die Deutschen in der Gegend allerdings keine allzu kleine Minderheit sein.
Bei Lana Lang Shoes gibt es Birkenstock-Sandalen, Adriaan Lahnstein Printers druckt die Visitenkarten, Hans Lees Travel organisiert Reisen, Arno Bewersdorff bietet Wurst nach deutschem Rezept, im Hahndorf Wursthaus arbeiten
deutsche Fleischer - die Liste läßt sich beliebig erweitern. Jedes Jahr im Januar zieht sich sogar die englischsprachige Mehrheit ein deutsches Mäntelchen an und pilgert zu Tausenden zum "Schützenfest". Zuvor marschiert ein
kilometerlanger Zug mit deutschen Trachten ins Rathaus zu Bürgermeister Henry Ninio.
Die laute deutsche Stimme nicht nur im Radio wird vom 1886 gegründeten Südaustralischen Allgemeinen Deutschen Verein (SAADV) getragen, dem heute
etwa 1.000 Mitglieder angehören. Als sie in den 50er Jahren auswanderten, waren oftmals wirtschaftliche Gründe bestimmend. Die Verbindung zu anderen Deutschen schuf Heimatgefühl und gab Kraft. Das Deutschlandbild in Kultur und Tradition
ist dabei allerdings manchmal auf dem Stand der 50er stehengeblieben.
Die Zieschangs sind nach dem Krieg aus Ostdeutschland gekommen und haben aus dem Nichts eine Baufirma aufgebaut. Ernst Klenner hat etwa zur selben Zeit nach dem
abgebrochenen Technik-Studium in Ilmenau in Australien weitergemacht und ist heute Geschäftsführer einer Elektronikfirma. Die Familie Thumm kam 1946 ins nahe Barossa Tal und gründete ihr angesehenes Weingut Chateau Yaldara. 2,5 Millionen
Liter Wein reifen in den Fässern.
Die deutsche Besiedlung reicht bis in die 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurück. Auf Friedhöfen finden sich noch Zeugen aus dieser Periode. In Südaustralien gab es ganze Landstriche, in
denen die protestantischen Siedler unter sich waren. Das hat sich mittlerweile geändert. Durch zwei Weltkriege ergab sich für viele Siedler ein Anpassungsdruck. Das Deutschtum wurde zu einem Bestandteil der Freizeit. Der SAADV bietet heute
einen Gesangsverein, eine Akkordeongruppe, den "Bund der Bayern", Briefmarkengruppe, Gymnastikfreunde, Schauspielgruppe und anderes.
Für Jugendliche und junge Erwachsene scheint der SAADV dagegen weniger wichtig. Die
zweite Einwanderergeneration ist voll in die australische Gesellschaft integriert, sagt Karen Tamm, die deutschsprachige Mitarbeiterin des Bürgermeisters. Andere Interessen als die der Eltern ließen die Kontakte zum Verein lockerer werden.
Dazu kommen die australischen Freunde und Partner.
Wer Interesse an den Deutschen in Südaustralien hat, der kann sich wenden an den SAADV, 223 Flinders Street, Adelaide, SA 5000, Australia, Telefon (08) 223 2539.
toa/jor
170952 Juli 1995
dan072 3 vm 408 vvvvt ddp/ADN5001 sdt

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