Präsidententochter Chelsea Clinton liegt in New Yorker Keller - Einst geheimer Trink-Club «21» feiert 70. Jubiläum

New York (ADN). Präsidententochter Chelsea Clinton liegt in einem eiskalten New Yorker Keller. Wenn Bruce Snyder gute Laune hat, führt er Neugierige durch die Küche nach unten zur Geheimtür und läßt sie einen Blick hineinwerfen. Tatsächlich, gleich im Regal rechts steht das mit zittriger Hand geschriebene Schild «Chelsea Clinton». Es schmückt eine Champagnerflasche, die hier warten muß, bis ihre Namenspatronin 21 geworden ist und nach US-Recht erstmals Alkohol trinken darf. Abgelegt wurde der gute Tropfen von Chelsea und ihrem Vater Bill persönlich. Im öffentlichen Club «21» gehört das seit 70 Jahren zur Tradition - wegen Platzmangels aber nur für Prominente.

Bruce Snyder ist Restaurantmanager der New Yorker Institution. Seit 30 Jahren arbeitet er hier. Die Haare ordentlich mit Pomade zu einem Mittelscheitel gestriegelt und den Binder im gestreiften Businesshemd zurechtgerückt, erzählt er seinen Gästen über die Geschichte von «21», das seinen seltsamen Namen nach seiner Adresse 21 West 52nd Street bekam. Eingerichtet wurde der Club Silvester 1929 von den beiden Freunden Jack Kriendler und Charlie Berns. In Amerika herrschte das Alkoholverbot, also die beste Zeit, um mit dem Ausschank geistiger Getränke gutes Geld zu verdienen. «21» war eines von 38 «speakeasies» (zu deutsch etwa «sprich leise») im Quartier, die illegale Flüssigkeiten ausschenkten und immer mit einer Razzia durch die Polizei oder mit Überfällen durch Gangster rechnen mußten.

Besondere Vorsicht war also immer geboten, einen Türspion gab es auch. So entstand der einzigartige Weinkeller, in dem heute Flaschen von Chelsea Clinton, den Ex-Präsidenten Ford und Nixon, Prominenten wie Elizabeth Taylor, Eva Gabor und Aristoteles Onassis lagern. Der Weinkeller mit seinen 2.000 Flaschen war nur durch eine zwei Tonnen schwere Tür zu erreichen, die als Mauer getarnt war, vor der wiederum geräucherte Schinken hingen. Entriegelt werden kann sie bis heute nur mit einem 50 Zentimeter langen Draht, der durch eine bestimmte Ritze im Mauerwerk gestoßen wird. Auch im Restaurant herrschte Geheimtechnik: Bei Alarm klappten die Bartresen zur Seite und Flaschen rollten auf einer schiefen Ebene ins sichere Versteck.

Selbst der damalige New Yorker Bürgermeister Jimmy Walker hat im Keller gebechert - während über ihm das FBI nach gesetzeswidrigen Trinkern schnüffelte. Trotzdem mußte nie ein Angestellter von «21» lügen, wenn er nach Alkohol im Haus gefragt wurde. Der Keller war nur angemietet und befand sich im Nachbarhaus mit der Nummer 12. Heute kann der wärmere Teil des Geheimkellers für exklusive Dinner-Runden gemietet werden. Wer Glück und 250 Dollar (450 DM) übrig hat, kann an einem «Winemaker Dinner» teilnehmen. Neben einem Menü mit sechs Gängen gibt es Gespräche mit dem Winzer, der die Tropfen des Abends gekeltert hat. Die Nachfrage ist groß, da der Keller nur 20 Leute faßt. (Reservierungen über Telefon 212-582-7200, bei Anrufen aus Deutschland 001 vorwählen).

Nach Aufhebung des Alkoholverbotes 1932 überlebte «21», während andere «speakeasies» durch das plötzliche Überangebot an legalen Kneipen weggespült wurden. Das Restaurant mit einer nun öffentlichen Bar machte sich mit amerikanischen Speisen und eigener Atmosphäre einen Namen. Jeder Präsident seit 1932 hat «21» besucht. Humphrey Bogart paffte hier seine Zigaretten und Ernest Hemingway vertraute dem Barkeeper an: «Seitdem ich mit dem Trinken aufgehört habe, nehme ich nur noch Tequila.» Heute hängen von der Decke Hunderte Spielzeuge, Sportkappen und Souvenirs, die Gäste zurückließen.

«21» ist nicht zu verfehlen. Vor dem Eingang stehen die hölzernen Figuren von 28 Jockeys - Geschenke von Pferdezüchtern aus den 30er Jahren. Weitere Informationen im Internet unter www.21club.com.

toa/tuf
ADN5001 12. Apr 99 09:39 Uhr

 

Jockeys grüßen am 21 Club

Der berüchtigte Weinkeller

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