Wer Pirat spielen will, muss tief in die eigene Schatzkiste greifen - Privatinsel in der Karibik lockt mit luxuriöser Abgeschiedenheit

Peter Island (ADN). Das sauberste Hotel der Welt liegt auf einer alten Pirateninsel. Das karibische Peter Island - ein nur 45 Hektar kleiner Landfleck innerhalb der britischen Jungferninseln - gehört den zwei Besitzern des amerikanischen Seifenkonzerns Amway. «Die reden uns zwar nicht ins Management, aber absolut sauber muss es bei diesem Hintergrund im Haus schon zugehen», schmunzelt Hoteldirektor Andrew Hedley. Der gebürtige Brite steht dem Mini-Hotel auf der Mini-Insel seit einem guten Viertel Jahr vor und hat große Pläne. Platz ist gerade mal für 120 Gäste in 52 Zimmern und Suiten. Ein US-Hochglanzmagazin hat das Resort auf Platz 16 in der Karibik eingestuft. Hedley möchte aber mindestens unter die Top Ten.
 
   Helfen sollen ihm dabei zahlungskräftige Kunden aus Europa. Die machen zwar nur 40 Prozent der Gäste aus, dafür bleiben sie mit zehn bis 14 Nächten auch fast drei mal so lange auf der Insel wie Besucher aus New York. Wer aber Pirat spielen will, muss tief in seine Schatzkiste greifen. 500 bis 600 Dollar (rund 1.000 DM) kostet die Nacht - im Sommer wird es ein Drittel billiger. Drei Mahlzeiten sind eingeschlossen, Getränke gehen extra. Versprochen ist dafür absolute Abgeschiedenheit. Die schnellste Linienverbindung nach Peter Island bietet American Airlines: acht bis neun Stunden Flug von Frankfurt nach New York, umsteigen und weitere drei Stunden nach San Juan auf Puerto Rico, wieder umsteigen und eine halbe Stunde nach Road Town auf Tortola Island. Von dort geht es mit dem Motorboot eine weitere halbe Stunde bis Peter Island.
 
   Beliebt ist die Insel wegen ihrer Abgeschiedenheit und dem ganzjährig angenehmen Klima bei Hochzeitsreisenden, vor allem in der Nebensaison von Mai bis November. Die Paketpreise liegen zwischen 2.300 und 5.000 Dollar für sieben Nächte. Wer es ganz exklusiv mag, kann in die große Villa «Crows Nest» mit 900 Quadratmeter Wohnfläche ziehen - die kostet aber so viel pro Nacht, wie ein ganzes Hochzeitspaket die Woche. 155 Angestellte verwöhnen die Gäste. Die Weinliste hat Hedley auf 200 Sorten aufgestockt. Die teuerste Flasche ist ein französischer Mounton-Rothschild für 350 Dollar. Wem das zu viel ist: das aus Schottland eingeflogene Mineralwasser kostet in der kleinen Plastikflasche bescheidene 2,25 Dollar.
 
   Um neue Kunden macht sich Hedley keine Sorgen. Zu 70 Prozent ist sein Insel-Hotel im Jahresdurchschnitt ausgelastet, 80 Prozent will er mindestens erreichen. Eine Hilfe ist die Aufnahme in den exklusiven Klub der Preferred Hotels. «Unsere Gäste werden immer jünger - die Leute haben einfach immer mehr Geld», meint Hedley. Die etablierten Konzernmanager um die 60 werden weniger, dafür kommt die Generation der an den boomenden Aktienmärkten reich gewordenen 30er. Bei den Europäern liegen die Briten an der Spitze, eng gefolgt von den Deutschen und den Italienern. Prominente sind auch immer wieder mal da, aber Namen verrät der Direktor nicht.
 
   Sechs Strände, eine 100 Meter hohe Bergkette, Wanderwege (bis zu zwei Stunden im Rundkurs), Tauchmöglichkeiten, Massage und Fitness, mehrere Restaurants und keine Fernseher im Zimmer bietet die Insel. Um auf dem laufenden zu bleiben, wird den Gästen aber jeden Morgen eine Fax-Ausgabe der New York Times auf den Tisch gelegt.
 
   Weitere Informationen gibt es bei Preferred Hotels & Resorts Worldwide, Reifenberger Weg 14, 61389 Schmitten, Telefon 06084-3906, Fax 06084-5512, Internet www.preferredhotels.com.
 
toa/clp


ADN5001  13. Dez 99 09:59 Uhr

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