Königin und Wildsau teilen sich auf Bermuda die selbe Münze:
Ein unglaublich „schweinisches“ Souvenir...

In den Banken Bermudas sind die Angestellten im Sommer besonders gefordert. Mehr und mehr Touristen möchten ein ganz besonderes Souvenir von der schönsten Insel im Atlantik mit nach Hause nehmen: einen „Hog Penny“ – den Schweinepfennig. Die kleinste Geldeinheit des Sonnenparadieses schmückt auf der Rückseite ein Schwein (englisch hog) und auf der Vorderseite die britische Königin Elisabeth II. Aber nicht nur diese weltweit einzigartige Kombination macht die Münze als Mitbringsel so beliebt. Ihre Vorläufer waren im frühen 17. Jahrhundert das erste Geld, das das englische Mutterland für seine Kolonien in der neuen Welt prägen ließ. Und es ist unschlagbar preiswert: etwa 2,3 deutsche Pfennig oder 1,2 Euro-Cent kostet eine dieser kuriosen Münzen.

Für ein Souvenir ist ein besonders schönes und glänzendes Stück gefordert, was beim täglichen Einkauf in Bermuda allerdings gar nicht so einfach zu bekommen ist. Der Bermuda-Dollar gilt gleichwertig zum US-Dollar und überall auf der Insel kann in beiden Währungen gezahlt werden. Ein echter Bermuda-Hog-Penny, der eigentlich ein Bermuda-Cent ist, ist also nur mit Mühe aus dem Wechselgeld zu fischen. Am einfachsten ist es deshalb, mit einem normalen Dollarschein in die nächste Bank zu marschieren und sich gleich eine Rolle von 1-Cent-Stücken ohne Gebühr einzutauschen. Im Durchschnitt findet man darin 50 „Hog Pennies“, 45 US-Cents und fünf Münzen aus anderen Ländern der britischen Karibik – also genug Material für alle Freunde und Bekannten in der europäischen Heimat.

Die Bermudianer sind treue Anhänger ihrer Königin. Kein Wunder, immerhin ist Bermuda die älteste britische Kolonie. 1609 landeten die ersten Schiffbrüchigen und 1614 ging es an die Krone. Heute haben die 60.000 Einwohner das dritthöchste pro-Kopf-Einkommen der Welt. Wie kommt aber das Schwein hinter die Königin? Ohne die  Tiere wäre Bermuda wahrscheinlich nie besiedelt worden. Die Schiffbrüchigen von 1609 konnten sich von den Tieren prächtig ernähren und retteten mit ihnen sogar die neuen Territorien auf dem amerikanischen Festland. Die Schweine von Bermuda waren die ersten, die englischsprachige Kolonisten in der neuen Welt zu Gesicht bekamen. Virginia in den heutigen USA litt damals unter Lebensmittelknappheit, Indianerangriffen und unfähigen Kolonisten, die als Städter einfach nicht zur Landwirtschaft taugten. Erst als 1610 die auf Bermuda neu gebauten Schiffe Deliverance (Erlösung) und Patience (Geduld) mit Schweinen landeten, wendete sich das Blatt.

So viel hing also von den Schweinen ab, dass sie die englische Münze als Zahlungsmittel für die neue Kolonie in London prägen ließ. 1616 wurden die ersten Stücke nach Bermuda geschickt. Damals schmückte die Vorderseite noch ein Relief des Seglers Sea Venture, der 1609 Schiffbruch erlitt und dessen Passagiere ihr Überleben den Schweinen zu verdanken hatten. Die historischen Münzen sind heute extrem selten. Seit 1970 lässt die Bermuda Monetary Authority wieder einen Hog Penny zum alltäglichen Gebrauch prägen. Das beliebte Souvenir wiegt genau 4,75 Gramm und hat 18,4 Millimeter Durchmesser. Die Königin Elisabeth hat per Gesetz jede Münze zu schmücken und kam deshalb automatisch auf die Vorderseite.

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