Neuer „African Diaspora Heritage Trail” auf Bermuda:
Als gestrandete Sklaven per
Gerichtsbeschluss frei wurden
Die älteste britische Kolonie, Bermuda, erinnert sich ihrer afrikanischen Wurzeln. Premierministerin Jennifer Smith hat einen neuen „African Diaspora Heritage Trail“ (Gedenkweg der afrikanischen Diaspora) auf der schönsten Insel im Atlantik eröffnet. Der Weg besteht aus 13 Stationen auf dem gesamten Eiland, die in Beziehung mit den schwarzen Vorfahren der heutigen Bermudianer stehen.
Ein Faltblatt mit Karte, das die Touristeninformationen auf der Insel anbieten, gibt geschichtliche Hintergründe, Anekdoten und Wegebeschreibungen. Obwohl die Geschichte mit dem Sklavenhandel vor 500 Jahren begann, ist Bermuda heute eines der wenigen Länder, in denen Rassenunterschiede absolut keine Rolle mehr spielen. Die Premierministerin hatte so beispielsweise afrikanische Vorfahren, Tourismusminister David Allen stammt von weißen Europäern ab. Ein Grund für das friedliche Zusammenleben mit Chancengleichheit für jedermann mag der wirtschaftliche Wohlstand des prosperierenden Tourismus- und Finanzzentrums sein. Nach einer Erhebung der Weltbank haben die 60.000 Bermudianer das dritthöchste Einkommen der Welt – egal ob schwarz oder weiß.
Als vor wenigen Jahren der Hollywood-Streifen „Amistad“ über die gerichtlich erzwungene Freilassung von Sklaven in den USA die Kinokassen sprengte, hat man sich in Bermuda gelassen zurückgelehnt. Vier Jahre vor dem historischen „Amistad“-Fall in den USA kam am 11. Februar 1835 das amerikanische Schiff „Enterprise“ mit 78 Sklaven an Bord in einem Sturm nach Bermuda. Der Inselgouverneur verweigerte dem Schiff damals die Weiterfahrt und ein christlicher Verein brachte den Fall der Sklaven vor das Inselgericht. Dieses stellte den Sklaven dann die Wahl zwischen einer Rückkehr in die USA oder dem Verbleiben als freie Menschen in Bermuda frei. Bis auf sechs Sklaven blieben die Afrikaner auf Bermuda und wurden in das Inselleben integriert. Viele farbige Bermudianer können heute ihre Wurzeln auf diese Siedler zurückführen.
Der erste Farbige im amerikanischen Repräsentantenhaus, Joseph Hayne Rainey, flüchtete im US-Bürgerkrieg 1862 mit seiner Familie nach Bermuda. Hier konnte er als freier Mann bis zu seiner Rückkehr nach dem Sieg der Nordstaaten leben. Bis heute spielen die folkloristischen Gombey-Tänzer eine wichtige Rolle im kulturellen Leben der Insel. Die farbenfroh kostümierten und maskierten Tänzer sind Weihnachten, Ostern und zu anderen Feiertagen auf den Inselstraßen unterwegs. Ihre Tradition lässt sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen. Zum Heritage Trail gehören mehrere Museen, die historischen Dockyards der königlichen Marine, verschiedene Straßen und Regierungsgebäude.























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