Auf der Trauminsel Bermuda bekommen “Rostlauben” Straßenverbot
Wo der Multimilliardär nur einen Kleinwagen fahren darf
Gute Nachrichten für entnervte Ferienfahrer: Es gibt ihn noch, den Platz in der ersten Welt ohne Urlaubsstau. Das Finanz- und Tourismuszentrum Bermuda im Atlantik erlaubt als einziges Land der Welt nur ein Auto pro Haushalt - ob Multimilliardär oder Tellerwäscher, ob Bankdirektor oder Rentner. Zwar warten knapp 1.350 benannte Straßen in der ältesten englischen Kolonie, aber das Eiland ist nur 57 Quadratkilometer groß und Staus passen einfach nicht zum gepflegten Inselimage.
Die 60.000 Bermudianer mit ihren 21.220 Autos halten trotzdem einen der höchsten Lebensstandards in der Welt. Das jährliche Durchschnittseinkommen von Angestellten und Arbeitern liegt bei umgerechnet 77.000 DM (bei durchschnittlich 33,3 Arbeitsstunden je Woche), was die Insel zu einem der sichersten und saubersten Orte auf dem Globus macht. Die Stimmung ist entspannt und überaus freundlich. Tausende Touristen aus Europa wissen das jedes Jahr zu schätzen.
In punkto Sauberkeit übertreffen die Bermudianer sogar noch die sonst so peniblen Deutschen. Per Gesetz muss jedes Auto einmal pro Jahr zur technischen Inspektion, wobei auch die äußere Erscheinung begutachtet wird. Rost, Farbschmierer und andere unästhetische Sachen haben keine Chance - dann verliert das Auto seine Zulassung. Luxuskarossen gibt es allerdings nur wenige auf der Insel. Maximal 1,67 Meter dürfen die Wagen breit sein, weshalb die meisten amerikanischen Modelle hier nie gesehen wurden, obwohl New York nur 1¾ Flugstunden entfernt liegt.
Was macht aber nun der gutverdienende Bankmanager, wenn seine Frau das Familienauto braucht, um die Kinder zur Schule zu bringen? Er nimmt das Moped. 21.662 Mopeds sind auf Bermuda registriert. Jeden Morgen und Abend sieht man die feinen Herren mit Krawatte und Bermudashorts zu ihren Büros in die Hauptstadt Hamilton fahren. Unter sie mischen sich zahlreiche Touristen. Während man kein Auto mieten kann, gibt es zahlreiche Ausleihstationen für die schnittigen Zweiräder. Alternativ lassen sich die Inselschönheiten und die stillen pinkfarbenen Strände mit den exzellent ausgebauten öffentlichen Bus-Linien oder per Taxi erkunden.
Das erste Auto tauchte übrigens am 13. Dezember 1901 auf Bermuda auf - es war ein höllisch lauter Dampfwagen. 1908 wurden per Gesetz sämtliche Automobile verbannt, um die himmlische Ruhe der Insel nicht zu stören. Erst am 1. September 1946 wurde der private Gebrauch von Autos wieder erlaubt und später auf einen Wagen pro Haushalt limitiert.
Auch die reichsten Bewohner der Insel sind von der Ein-Auto-pro-Haushalt-Regel betroffen. Nach einer Aufstellung der Tageszeitung “Royal Gazette” stammt der reichste Einwohner aus Deutschland. Curt Engelhorn werde auf 11,54 Milliarden US$ (24 Milliarden DM) geschätzt und lebe auf Five Star Island. Weitere Stars, die auf Bermuda residieren: David Bowie (160 Millionen US$), Friedrich Christian und Gert Rudolph Flick (4,5 Milliarden US$), George Soros (968 Millionen US$), Ex-Rolling-Stone Charles Watts (96 Millionen US$) und Ross Perot (3,7 Milliarden US$). Auch wenn die Autoregel vielleicht nicht ganz ihrem Lebensstil entspricht - so sicher wie auf Bermuda können sie sich sonst selten fühlen.
Pressestelle Bermuda Tourism
Juli 2000























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