Die problemfreie Spaß-Zone endet in der Wirklichkeit - Besuch im Aborigine-Freizeitpark lehrt Bumerangjagd und weiße Schuld
Cairns (ADN).
Mit einem Sprung bringt sich Mia in Sicherheit. Speerwerfen bei den Ureinwohnern Australiens ist nicht ganz ungefährlich. Die Aborigine-Lehrer laufen hier öfter Gefahr, von den ungeschickten weißen Touristen getroffen zu werden. Im «Tjapukai Aboriginal Cultural Park» bei Cairns (Bundesstaat Queensland) gibt es die Übungsstunden in traditionellen Jagdmethoden. Beim Bumerang stellen sich die Städter weniger tolpatschig an, ein Tier würden sie aber kaum treffen. Der Park ist eine Besonderheit. Die Anlage befindet sich mehrheitlich im Besitz der Ureinwohner, sichert ihnen Arbeitsplätze und hat ihre dem Untergang geweihte Sprache gerettet.
Der erste Eindruck verwirrt: klimatisiertes Multimedia-Theater, eine Bühne unter freiem Himmel, auf der die Aborigines für die Weißen singen und ihre Sprache erklären, und ein nachgestelltes Dorf mit Medizinfrau
und Didgeridoo-Musikern, die auf einem ausgehöhlten Ast blasen. Es wirkt wie ein sauberes Disney-Land, in dem Mickey Maus durch Leute vom Stamm der Tjapukai ausgetauscht wurde. Doch beim Besuch des Geschichts-Theaters endet die
problemfreie Zone. In einem bewegenden Dokumentarfilm wird die Enteignung der Tjapukai und die Zerstörung ihrer Kultur durch die weißen Siedler aus Europa beschrieben. Der Film - von Weißen gemacht - läßt nur die Fakten sprechen. Auf
pädagogische Zeigefinger kann verzichtet werden.
Anfang des Jahrhunderts wurden die letzten Überlebenden vom Stamm der Tjapukai in die christliche Mona Mona Mission gebracht. Die Missionare trennten die Kinder
von den Eltern, nur Englisch war als Sprache erlaubt. Zuvor überlieferten die Tjapukai ihre Geschichte mündlich von Generation zu Generation - diese Kette war nun gerissen. 1987 gab es noch zwei Tjapukai, die die Stammessprache
beherrschten. Der Völkerkundler Michael Quinn begann damals, die Sprache aufzunehmen und mit Hilfe der Alten wieder zu verbreiten. Gleichzeitig wurde das Tjapukai Tanztheater eröffnet - ein Schub für das Selbstbewusstsein der Aborigines.
Der Cultural Park folgte 1996. In einer speziellen Halle berichten die Tjapukai dort in ihrer eigenen Sprache über ihre Mythen. Fremde können das Geschehen per Kopfhörer in sieben Fremdsprachen verfolgen.
«Heute
ist die Schau die am längsten gezeigte Aufführung in Australien», freut sich Tjapukai-Sprecher Judy Freeman. Über 7.000 Veranstaltungen wurden von mehr als 1,2 Millionen Besuchern gesehen. Auf diese Weise werde die einst dem Untergang
geweihte Geschichte der Tjapukai am Leben gehalten. Das sei besonders wichtig, weil der Stamm selbst nur noch ein paar Hundert Mitglieder hat. Und noch einen Erfolg brachte das Engagement: die Sprache der Tjapukai und ihre Kultur wird in
verschiedenen Schulen der Umgebung für Kinder von Aborigines und Weißen vermittelt. Beim Umgang zwischen den Kulturen gebe es heute weit weniger Probleme und Distanz zwischen den Menschen des Landes sei geschwunden, freut sich Judy
Freeman.
Wenn am Ende des Tages die Tänzer im Außentheater singen, dass Weiße und Tjapukai als Brüder leben können, fühlen sich die Besucher versöhnt mit ihrer Geschichte. Die Bitte zum Kauf der CD mit dem Lied,
um Schulprojekte zu fördern, findet ein breites Echo. Unentschlossenen hilft der Hinweis eines Sängers, dass er die CD täglich im Auto abspielt und das Stück immer noch nicht satt hat.
Auf der Internetseite des
staatlichen Tourismusbüros www.queensland-holidays.com.au gibt es mehrere Angebote für Touren zu Aborigines. Weitere Informationen bietet auch der Tjapukai Aboriginal Cultural Park, PO Box 816 Smithfield, Cairns, Queensland 4878,
Australia, Internet www.tjapukai.com.au. oder Tourism Queensland, Neuhauser Straße 27, 80331 München.
toa/tba
ADN5001 12. Nov 99 09:55 Uhr























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