Von Ost-Berlin nach Nord-Australien -
Biologin setzte sich zur Wildschwein-Forschung ans andere Ende der Welt ab
Cairns (ADN-RO).
Die Riesen-Kakerlake klingt beim Start wie ein russischer Militärhubschrauber, am zehn Kilometer entfernten Fluß steht ein Schild mit Krokodilwarnung und vor der Tür wartet eine fette Kröte. Am nordöstlichen Ende von Australien, Cape Tribulation in Queensland, ist die Welt noch in Ordnung. «Ich könnte nirgendwo sonst leben», sagt Siegrid Herse-Pavlov. Vor zehn Jahren war an diesen Satz noch nicht im Traum zu denken. Die 37-jährige wurde in Ost-Berlin geboren, studierte in Halle Ökologie und Tierphysiologie, arbeitete in Kleinmachnow und forscht heute gemeinsam mit ihrem Mann in Australien über Wildschweine und ihre Signalsysteme.
Mit der Forschung allein können beide nicht überleben. Forschungsgelder sind knapp. Die Wildschwein-Jagd ist so zu ihrem Haupt-Erwerbszweig geworden. «Dabei geht es aber eher um Schadensbegrenzung in der Umwelt
als um das Fleisch - das ist hier nicht zu verkaufen», sagt die Biologin. Nebenbei arbeitet sie als Touristenführerin im Coconut Beach Resort. Die mehrfach für ihr ökologisches Engagement ausgezeichnete Anlage liegt in 100 Hektar Regenwald
und hat 67 Bungalows, ohne elektrische Klimaanlage und mit biologischer Wasseraufbereitung. «Wer hierher kommt, hat ein enormes Interesse an der Natur und ist ein dankbarer Zuhörer. Ich möchte das nicht missen», sagt sie.
Besonders beliebt sind die Nachtwanderungen mit Frau Herse-Pavlov. Nahe der Küche zeigt sie auf eine große grüne Spinne, die ihr Netz an einen Baum gewebt hat. Am Strand liefern sich Hunderte kleine Krabben ein Rennen, kleine
Frösche mit Saugnäpfen hängen an Gräsern und eine Weißschwanzratte huscht durch das Gebüsch. Am Nest mit grünen Ameisen werden kulinarische Tipps gegeben: «In ihrem Hinterteil haben sie Zitronensäure gespeichert. Die kann man auslutschen.»
Die Ureinwohner werfen ganze Nester in kochendes Wasser und brauen so einen wohlschmeckenden Vitamintee. Bei der Frucht-Verkostung mit der Biologin wird der Star-Apfel vorgestellt, der (scheinbar) Haare auf der Zunge wachsen und die Lippen
zusammenkleben lässt.
«Auch ich kann hier noch sehr viel lernen», sagt die Biologin. Den Schritt von Berlin ans andere Ende der Welt hat sie nicht bereut, «selbst wenn die Bücher in unserem Haus wegen des Klimas
manchmal Schimmel ansetzen». Kleinere Unannehmlichkeiten hatte auch Australien-Entdecker Captain Cook hier auszustehen. Als er 1770 landete, gab er Cape Tribulation den Namen, weil hier alle seine Schwierigkeiten begannen («began all my
troubles»). Neben den «feuchten Tropen» auf dem Land hatte er auf dem Wasser mit dem Großen Barrier Reef zu kämpfen. Australien ist aber ein Traumland von Frau Herse-Pavlov geblieben. Deutschland und deutsche Politik sind Lichtjahre
entfernt.
Herse-Pavlov arbeitet für das Coconut Beach Rainforest Resort, Cape Tribulation Road, Cape Tribulation, QLD 4873, Australia, Telefon 0061-7-4098 0033, Fax 0061-7-40980047.
toa/sas
ADN0124 25. Feb 00 10:17 Uhr























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