Einen Geist darf es im Hotel nicht geben, oder doch? - Palazzo Sasso bei Neapel verwöhnt Gäste in Mauern aus dem 12. Jahrhundert

Palazzo Sasso
Ravello (ADN). In ein uraltes Schloß gehört einfach ein Geist. Erst recht, wenn es sich um einen italienischen Palazzo bei Neapel, 350 Meter hoch an der Steilküste über dem Mittelmeer handelt. «Um Gottes willen! Denken Sie doch nur an unsere Gäste», wehrt die Managerin des Palazzo Sasso in Ravello entsprechende Anfragen ab. Heimlich gibt sie aber zu: «Na ja, ein sogenanntes Medium will schon mal einen Geist in den Hallen gespürt haben. Aber der war ganz friedlich.» Also doch ein Gespenst - und was für eins!
Für Hotel-Concierge Antonio Fessara ist klar: Wenn schon etwas umgeht, dann kann es nur die unglückliche Porzia Rotondo sein, die Geliebte von Andrea Sasso. Die Sassos bauten den Palast im 12. Jahrhundert. Andrea war der letzte
Sproß der Adelsfamilie und starb im 18. Jahrhundert. Ein Bild seiner allein zurückgelassenen, wunderschönen Geliebten hängt bis heute über dem allabendlich angezündeten Kamin in der Bibliothek. Sie starb vor Kummer kurz nach ihm. Ja, eine
Frau soll der Geist gewesen sein, die ein Lied summte und ein eher positives Gefühl gab, meldete angeblich das Medium.
Zum Fürchten ist das Nobelhotel auch wirklich nicht geeignet. Die nur 43 Zimmer sind in hellen Farben gestrichen
und mit edlen Stoffen dekoriert. Die Wände schmücken kolorierte Stiche und statt langweiliger Hotelmöbel stehen Antiquitäten in den Ecken. Das reizt natürlich zu einem Blick in jede Schublade - aber leider ist kein Familienschatz beim
Umzug ins Hotel zurückgeblieben. Die Bäder sind italienisch aufwendig. Die meisten Räume bieten einen Blick über den Garten hinunter zum Meer. In der einstigen Palast-Kapelle befindet sich heute die Rezeption, im Kellerverließ mit
«Rosselinis» eines der besten Restaurants der ganzen Amalfi-Küste.
Der Luxus ist jung. Ende 1997 wurde der Palast nach 20jährigem Dornröschenschlaf und 40 Millionen DM Investitionen wiedereröffnet. Besitzer ist der
neapolitanische «Tomatenkönig» Guiseppe Avino, der das alte «Hotel Palazzo» noch aus seiner Kinderzeit kannte. Im 19. Jahrhundert eröffnet, beherbergte es Prominenz mehrerer Generationen: Richard Wagner soll hier am «Parsifal» gearbeitet
haben, General Dwight Eisenhower am Sieg über Deutschland, Ingrid Bergman und Roberto Rosselini an einem Film. Könige und Fürsten und Jaqueline Kennedy ließen sich ebenfalls nieder. 1970 schloß das Traditionshaus jedoch.
Heute sind die Künstler zurück. Schriftsteller Gore Vidal hat das Abendessen im «Rosselini» offenbar genossen und läßt sich von den gewöhnlichen Sterblichen nicht stören. Der Wagner-Flügel steht wieder an seinem Platz
unter dem Bild von Porzia Rotondo. Alles ist perfekt - bis auf den Geist. Kein einziger Gast will in den vergangenen beiden Nächten irgendwas bemerkt haben, nicht einmal die mit einem
leichten Schlaf. Die Managerin an der Rezeption atmet erleichtert auf. Porzia Rotondo scheint auf ihrem Bild aber etwas mehr zu lächeln als sonst.

Romantik im Schloß
Weitere Informationen gibt es bei Preferred Hotels & Resorts
Worldwide, Reifenberger Weg 14, 61389 Schmitten, Telefon 06084-3906, Fax 06084-5512, e-mail marcon_fra@compuserve.com oder im Internet unter www.preferredhotels.com, Reservierungen gebührenfrei unter der Telefonnummer 0130-860033.
toa/sas
ADN5001 29. Januar 1999 10:04 Uhr

Blick zum Mittelmeer
Der Geist?






















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