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New York (ADN). Es kann nur ein großer Irrtum sein. Haben die New Yorker Giovanni da Verranzano vergessen, der 1524 als erster Europäer die Halbinsel Manhatten erreichte? Oder den holländischen Gouverneur Peter
Minuit, der sie 1626 für 24 Dollar von den Indianern kaufte? Aber eine Sinnestäuschung ist es nicht, der die Besucher aus Übersee nach ihrer Landung in New York erliegen. In diesem Jahr feiert die Stadt erst ihren 100. Geburtstag - die
Großstadt New York. 1898 wurde sie nach einem Votum der Einwohner von Manhatten, Brooklyn, Queens, Staten Island und Bronx gebildet.
2.000 Farmen und 1.150 Kirchen gab es damals in New York. Das höchste Gebäude hatte 23 Stockwerke.
30 Prozent der 3,3 Millionen Einwohner waren Einwanderer, die meisten davon aus Deutschland und Irland. Die Höchstgeschwindigkeit auf den öffentlichen Straßen lag bei 15 Kilometern pro Stunde, was aber niemanden aufregte, weil
Pferdedroschken und S-Bahnen gebräuchlichste Verkehrsmittel waren. Mehr als 1,5 Millionen New Yorker lebten sowieso in Slums und nach der Wahl des ersten Großstadtbürgermeisters riefen Sprechchöre: «Zur Hölle mit der Reform!» - Nachwehen
einer schweren Geburt.
New York sollte ein Erfolg werden. Nach der Jahrhundertwende
setzte ein ungeheurer Bauboom ein. Ohne Sorgen um Ästhetik wuchsen jährlich 5.000 neue Gebäude in den Himmel. 1902 gab es schon 66 Gebäude, die
zwischen neun und 22 Stockwerken hoch waren. Heute mißt das Welthandelszentrum im Finanzbezirk 110 Stockwerke oder 420 Meter. Die Einwohnerzahl schoß auf 7,3 Millionen und die der gelben Taxis auf 12.000, die von 41.000 lizensierten und
für ihre Unfreundlichkeit bekannten Taxifahrern chauffiert werden. Vielleicht nehmen deshalb jährlich 1,1 Milliarden Fahrgäste die Untergrundbahn. New York ist wieder die sicherste Großstadt der USA mit einer um 13 Prozent gesunkenen
Kriminalitätsrate im ersten Halbjahr 1997.
New York feiert sich gern und schmückt sich mit Rekorden.
31,9 Millionen Touristen haben die Welthauptstadt des Kapitals, der Medien und der Millionäre im vergangenen Jahr besucht. In
diesem Jahr sollen es noch 600.000 mehr werden. An zweiter Stelle der ausländischen Besucher liegen nach den Kanadiern die jährlich rund 456.000 Deutschen. 14,3 Milliarden Mark sollen die Touristen 1998 in
die Stadt bringen (630
Millionen mehr als im Vorjahr), 131.000 Jobs werden damit gesichert.
Die Kehrseite der Medaille für den Besucher: Die 60.100 Hotelzimmer waren im vergangenen Jahr zu 82 Prozent ausgelastet, in diesem Jahr werden 83 Prozent
erwartet. Der durchschnittliche Zimmerpreis soll von 181 Dollar im vergangenen auf 200 Dollar (350 DM) in diesem Jahr steigen, teilte das Fremdenverkehrsbüro New York Convention and Visitors Bureau mit. New York wäre die erste US-Stadt mit
diesem Preisniveau. Raumknappheit wird auch 1998 zu einem Problem für viele Besucher werden. Bis zur Jahrtausendwende sollen jedoch noch 5.000 Hotelzimmer zusätzlich entstehen.
Geld sparen läßt sich im Jubiläumsjahr an anderer
Stelle. Mit dem «Centennial FunPass» gibt es Rabatte in Hotels, Sehenswürdigkeiten, Restaurants, Läden, Museen, Theatern und Rundfahrten. Fast jede Woche finden kostenlose Festivals und Straßenfeste statt. Höhepunkt wird vom 19. bis 22.
Juni das Jubiläums-Wochenende mit hunderten Angeboten in der ganzen Stadt sein. Und selbst die Taxifahrer haben sich mal etwas Nettes einfallen lassen. Die Tonbandstimmen von sieben Prominenten fordern Taxinutzer höflich zum Anschnallen
auf. «Katzen haben neun Leben, rrrrr, aber Du hast nur eins, also schnall Dich an», flüstert beispielsweise «Catwoman» Eartha Kitt.
toa/clp
ADN5001 10. Juni 1998 10:04 Uhr

Polizeikontrolle 1910
Feuerwehreinsatz 1900
Straßenecke um 1930
Polizeitruppe um 1910
New York feiert 100jähriges Jubiläum - Hoch-Zeit für die Tourismusindustrie, aber auch teurere Übernachtungspreise






















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