Im guten China-Restaurant steht ein waschechter Chinese am Herd - Professor Kiang teste sich durch die Gaststuben seiner Landsleute
Shanghai (ADN). Für perfektes chinesisches Essen lohnt sich die Reise ans andere Ende der Welt nicht. «Das beste China-Restaurant gibt es in Genf, auch Paris ist exzellent», schwärmt Nelson Kiang. Der 70-jährige Mediziner und ehemalige Professor an mehreren Eliteuniversitäten der USA kennt sie alle. Dienstreisen führten ihn in die entlegendsten Winkel der Erde (nur die Antarktis fehlt noch) und überall hat er die China-Restaurants ausprobiert - machmal auch unter Einsatz seiner Gesundheit. «In mindestens 30 Ländern kenne ich die Restaurants meiner Landsleute», versichert Kiang.
Die Warnung gleich zu Beginn: in Cusco/Peru wird das schlechteste chinesische Essen aufgetragen. «Wir waren danach zwei Tage krank», erinnert sich Kiangs Ehefrau Barbara. Es sei zwar an jeder Ecke für chinesische Restaurants
annonciert worden, wie sich später herausgestellt habe, seien die Köche aber alle Peruaner gewesen. Dazu wären Probleme mit mangelnder Hygiene gekommen. Merke also: In einem guten chinesischen Restaurant sollte auch ein waschechter Chinese
am Herd stehen.
An Europa hat Kiang gemischte Erinnerungen. «In Norwegen und Schweden sind die China-Restaurants kaum zu empfehlen - alles ohne Würze», meint er. Deutschland sei dagegen ganz in Ordnung, vor allem die Auswahl und
Zubereitung der Gemüse lasse keine Wünsche offen. In der Bayernmetropole München seien «die Beilagen vielleicht etwas schwer und die Portionen etwas groß», sonst wäre aber nichts auszusetzen. Zu Würzburg, Berlin und Potsdam fallen Kiang
keine Besonderheiten ein.
In den Vereinigten Staaten, wo Kiang seit 1936 lebt, hat er die größte Auswahl an Speisen ausgemacht. «Besonders authentisch sind die Gerichte aber nicht. Die meisten Chinesen würden das China-Food nicht
als chinesisch empfinden», lächelt er milde. Chopsuey sei beispielsweise eine amerikanische Erfindung, die man im Reich der Mitte gar nicht kenne. Aber natürlich gebe es auch viele gute Restaurants in den USA, es seien eben nicht unbedingt
die Stände mit dem Schnellimbiss im Einkaufszentrum. Südafrika und Namibia waren für Kiang «O.K.». In Kapstadt hat es ihm ein experimentierfreudiges chinesisch-koreanisches Ehepaar angetan.
Und was ist mit dem großen China? «Da
haben wir ganz unterschiedliche Niveaus», meint Kiang. «Meist sind die Zutaten nicht so edel wie in den europäischen Spitzenrestaurants.» Die Kundschaft habe eben etwas weniger Kleingeld in der Tasche. Am besten seien immer noch die auf
klassische Küche eingestellten Restaurants in China. «Schlimm wird es dagegen beim Schnellimbiss, wo alles mögliche zusammengeworfen wird», sagt Kiang.
Das beste chinesische Restaurant im schweizerischen Genf lässt sich nach seinen
Angaben nicht verfehlen, auch wenn ihm der Name angeblich entfallen ist. «Dort gehen die Minister der Erdölexportierenden Staaten (OPEC) essen. Auf der Speisekarte findet man keine Preisangaben», beschreibt Kiang. Das mit den Preisen hat
seinen Grund - es soll das teuerste China-Restaurant der Erde sein.
Kiang wurde in Wuxi bei Shanghai geboren und ging mit seinem Vater - dem ersten chinesischen Konsul in Los Angeles - in die USA. «Wir hatten damals den zweitbesten
chinesischen Koch überhaupt - der beste arbeitete für Präsident Tschiang Kaischek», erinnert sich Kiang. Er studierte in den USA Neurowissenschaften, lehrte an der Harvard Medical School und dem Massachussetts Institute of Technology.
Heute lebt er in Boston und berät das chinesische Gesundheitsministerium.
toa/tuf
ADN5001 20. August 1999 09:55 Uhr






















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