In Südflorida wird nicht mehr nur vom Tourismus geredet - Miami plant für das nächste Jahrtausend und will mit New York konkurrieren
Miami (ddpADN). "Miami liegt im Zentrum der Welt. Wir verbinden Asien, Amerika und Europa", prahlt Robert Sproul, Vizepräsident der Freihandelszone Miami Free Zone. Die Karten in Europa sehen anders aus, aber das stört Sproul nicht. Miami ist selbstbewußt geworden, nachdem sich Unternehmen aus der ganzen Welt hier niedergelassen haben und der Tourismus nicht mehr das einzige Thema in Florida ist.
Zuerst kommen Geschäftsleute als Touristen und später beginnen sie zu investieren. "Geschäft und Vergnügen lassen sich selten so gut verbinden wie hier", sagt Charles Jainarain, Forschungsdirektor des Beacon Council, einer privaten Wirtschaftsfördervereinigung. So wird pro Jahr für 27 Milliarden Dollar internationaler Handel betrieben. Die Deutschen sind dabei. Mit über 1,25 Milliarden Dollar Bilanzssumme gehört die Deutsch-Südamerikanische Bank AG zu den größten ausländischen Finanzinstituten in der Stadt. "Die Europäer fangen klein mit drei Mann an, um dann ganz schnell zu expandieren", erklärt Beacon-Vizepräsidentin Maria Masvidal-Visser.
Miami plant für das nächste Jahrtausend und will New York und Los Angeles davonlaufen. 2001 heißt das Konzept der Stadt und der Handelskammer. Lebensqualität, Kunst, Sport und Schulen sollen entwickelt werden. Ins 480 Kilometer entfernte Orlando mit seinen Disney-Attraktionen ist der Bau eines Schnellzuges geplant, der die Strecke in 90 bis 120 Minuten bewältigt. Daneben wird der Nahverkehr verbessert, wie mit der 250-Millionen-Dollar-Erweiterung der führerlosen Metromover-Hochbahn. Vom Flughafen zum Strand soll in wenigen Jahren eine andere Hochbahn fahren.
Die Kommune hat mit der Greater Miami Opera eines der besten amerikanischen Opernhäuser, das Miami City Ballet, die New World Symphony und das Florida Philharmonic Orchestra. Im Juli 1998 soll ein Kulturzentrum für 175 Millionen Dollar eröffnet werden. Baubeginn wird Anfang 1996 sein. Zusammen mit dem angrenzenden Palm Beach und Fort Lauderdale, glaubt Carlos Arboleya, Exilkubaner und Vizepräsident der Barnett Bank, könnte Miami zu einer Konkurrenz für New York werden. Vorgesehen ist auch ein neues Internationales Handels- und Ausstellungszentrum. Die Kosten dafür werden sich zwischen 250 und 300 Millionen Dollar bewegen. Die Ausstellungsfläche soll etwa 100.000 Quadratmeter umfassen.
Nicht immer waren die Zeiten so gut. "Hier war der Vorposten Amerikas, das Ende der Welt, wo die Eisenbahn endete", erzählt Matthew Schwartz, Direktor der Downtown Development Authority, der Innenstadt-Entwicklungsbehörde. Dann kam der Exodus der kubanischen Mittelschicht und ein unglaublicher Aufschwung. Die Rezession der späten 80er hat Downtown, das Geschäftszentrum, kaum berührt. "Wir können machen was wir wollen, es geht scheinbar immer nur aufwärts", wundert sich der Behördenleiter.
Jetzt wird auf den Fall Castros gewartet. "Nach dessen Sturz explodiert die Wirtschaft Miamis in einem Super-Boom", versichert Arboleya. Unternehmen aus ganz Nordamerika und Europa werden ihre Kuba-Geschäfte dann über Miami abwickeln. "Alles muß in Kuba neu geschaffen werden. Vom Telefonsystem bis zum Supermarkt", sagt er. Seine Bank hat die Pläne für den Tag "X" in der Schublade. "In 15 oder 20 Jahren wird Miami zu den acht wichtigsten Städten der Erde gehören", versichert Schwartz. Und Arboleya: "In Amerika bewegen sich einige Städte in Richtung Zukunft. Wir sind definitiv dabei."
toa/cok
03. März 1995

Carlos Arboleya hat die Pläne im Schubfach.






















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