Rock en Espanol, Salsa und Rumba - Latino-Musikhauptstadt Miami bietet Touristen in einer Nacht den Rhythmus von ganz Südamerika

Miami (ADN). «Miami ist das Zentrum des Planeten», verkündet Musikproduzent und Texter Desmond Child amerikanisch bescheiden. Zumindest für die lateinamerikanische Musik- und Unterhaltungsbranche trifft die Einschätzung zu. Die zehn größten Plattenfirmen verlegten in den vergangenen Jahren ihre Latino-Abteilungen in die Metropole des US-Bundesstaates Florida, zwei Unternehmen für karibische Musik haben hier ihren Hauptsitz. «Miami ist damit die Musikhauptstadt Lateinamerikas», sagt der Chef von Universal Music Latin America, Jesus Lopez. Es würde ihn auch nicht wundern, wenn der deutsche Sommerhit 1998 aus einem der Studios in Südflorida kommen sollte.
Der Aufschwung der Musikbranche hat auch handfeste Vorteile für die Touristen. «Man kann zu einem vollgepackten Konzert mit dem brasilianischen Star Caetano Veloso gehen, sich in jamaikanische Rhythmen stürzen, zu
Trinidad-Soca-Carnival winden, zu Salsa oder Merengue swingen, kubanische Rumba und Rock en Espanol oder Techno hören», verspricht Jose Lima vom Tourismusverband Greater Miami Convention and Visitors Bureau. Die Tanz- und Nachtklubs in
Miami Beach, Little Havanna, Coral Gables und Coconut Grove bieten für jeden Geschmack etwas. «Club-Hopping» - Kurzbesuche von möglichst vielen Treffs in einer Nacht - ist zum Jugendsport geworden. In Miami Beach karrt ein
kostenloser und eis-klimatisierter Bus die Nachtschwärmer umher.
«Es ist die Kreuzung zwischen New York und Los Angeles, Asien und Europa, die uns groß gemacht hat», meint Child, der Texte für Gruppen wie John Bon Jovi und
Aerosmith schreibt. Die Geografie hat jedoch nicht den Ausschlag gegeben. Miami ist spätestens seit der Massenflucht vor Fidel Castro aus Kuba zu einem Anziehungspunkt für spanischsprachige Auswanderer geworden. Die Hälfte der Einwohner im
Großraum Miami hat heute lateinamerikanische Wurzeln. Das Durchschnittsalter aller rund zwei Millionen Einwohner liegt gerade mal bei 34 Jahren - genau die richtige Zielgruppe für Musik, Fernsehen und Unterhaltungsbranche.
Die zwei
größten Latino-Fernsehgesellschaften, Univision und Telemundo, haben Hauptquartiere in Miami, ebenso der Musiksender MTV Latin America, der Kinderkanal Nickelodeon Latin America und zahlreiche andere spanischsprachige Sender. Die
milliardenschwere US-Unterhaltungsbranche hat Lateinamerika als ein zu wenig bestelltes Feld entdeckt. «Jeder will plötzlich Teil dieses Marktes sein, weil es hier enorme Wachstumschancen gibt», erklärt Werbechef Pablo Manavello von
Bertelsmann Music Group (BMG) Latin. Was in Miami produziert wird, würde für 45 rund um die Uhr ausstrahlende Fernsehkanäle reichen.
«Latin Hollywood», nennt sich Miami, und Stars wie Leonardo di Caprio oder Ed O'Neill (der Al
Bundy aus der auch in Deutschland erfolgreichen Serie «Eine schrecklich nette Familie») sitzen beim Abendessen ungerührt am Nachbartisch im Restaurant. Allein 1996 wurden neun Kinofilme in Miami produziert. Fast eine Viertel Milliarde
Dollar gibt die Film- und Fotoindustrie jährlich hier aus und sichert so 22.000 Arbeitsplätze. Die «Grammy»-Trophäe für herausragende musikalische Leistungen soll in drei Jahren einen Bruder, den «Latin-Grammy», bekommen. Die Latin Academy
of Recording Arts and Sciences wurde dazu in Miami bereits eröffnet. Scheinbar ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann der «Latin-Oscar» folgt.
Informationen über die Region «Greater Miami and The Beaches» gibt es bei ESTM,
Friedberger Landstraße 96, 60316 Frankfurt/Main und im Internet unter http://www.miamiandbeaches.com.
toa/clp
ADN5001 05. Jun 98 10:00 Uhr






















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