Von der Busenhalter-Bande bis zum Alpen-Adolf - Rechtsanwalt Mancini führt Touristen durch die bizarre Halbwelt von Miami
Miami (ADN). Im selbsternannten «Sonnenscheinstaat» Florida wird vieles leicht genommen. Wenn aber ein Busenhalter klappert, dann kann das ganz schnell zu einem
Fall für den Staatsanwalt werden. Keine Sorge, Touristen bleiben in der Ferienhauptstadt Miami unbehelligt - egal, wie spannend ihre Bademode ausgefallen ist. Wer Pech mit seinen BHs hatte, berichtet Rechtsanwalt Chris Mancini
auf seiner «Murder, Mystery and Mayhem Tour» (Mörder, Geheimnis und Chaos Tour). Zwischen zwei bis vier Stunden fährt er zusammen mit dem Historiker Paul George durch die vergangene Halbwelt von Miami.
Die Busenhalter-Bande waren Angestellte der Telefongesellschaft Southern Bell. In übergroßen BHs sollen sie mehrere Tausend Dollar in Vierteldollar-Münzen (etwa so groß wie eine DM-Münze)
aus dem Unternehmen geschafft haben. Die Mitarbeiter beteuerten natürlich ihre Unschuld. Pech nur, daß sie ihre Rechtsanwälte mit eben diesen Münzen entlohnen wollten - schallendes Gelächter bei
den Teilnehmern der Bus-Tour. Eine der schönen Telefondamen gab später zu, daß sie bis zu fünf Münzrollen auf einmal am Herzen transportieren konnte.
Weiter rollt der Bus zum Simpson Park. In den 50er Jahren fanden
ein paar Jungs hier einen menschlichen Schädel mit einer Kugel. Einem lokalen Gerichtsmediziner erschien der Schädel «von deutscher Herkunft» und die Akte bekam den Namen «Alpen
Adolf». Acht Jahre später fanden Gärtner das fehlende Skelett. Wie sich herausstellte, paßte es nicht zu Adolf, sondern zum Postboten Rexford Wickwire, der sich selbst das Leben nahm. Wegen
Alkoholproblemen hatte er die Fahrerlaubnis verloren und dadurch dann auch seinen Job. Der verrostete Tatrevolver Smith & Wesson lag neben dem Skelett.
Nach der Gruselgeschichte taucht Key Biscayne auf. In den 70er
Jahren hatte Präsident Richard Nixon hier seine Winterresidenz. Eines seiner Hausmädchen, Shirley Cromartie, wurde damals mit vier geklauten Kleidern beim Verlassen eines Kaufhauses erwischt.
Sie wurde jedoch freigesprochen: Der Richter glaubte ihre Geschichte, von einer Zigeunerin hypnotisiert worden zu sein. Ganz sicher ging es für die Bewohner eines Hochhauses an der Collins
Avenue zu. Hier wohnte der Mafia-Boß Meyer-Lansky. «Wir brauchten keine Versicherung - das FBI bewachte jede Ecke», erinnert sich Bewohner Ernest Sloan.
Daß die Steuerfahndung in den USA die härteste der Welt ist,
ausgestattet mit mehr Rechten als die Bundespolizei FBI, wußten die Zuhörer Mancinis schon. Neu waren ihnen die besonders raffinierten Methoden der Fahnder von Miami. Eine Maklerin soll im
Auftrag der Steuerbehörde die führenden Männer der Gesellschaft becirct und ins Bett gelockt haben, damit diese ihr dann ihre Schwarzgeldkonten verraten. Aber auch Gesetzeshüter sind vor
Versuchung nicht gefeit. Mancini berichtet von drei Polizisten, die in den 80ern ein Schmugglerboot klauten, um die Ware selbst zu versilbern.
Ganz gewöhnliche Schatztruhen sind im Besichtigungsprogramm
eingeschlossen. Im Gepäckfach des Busbahnhofes lag so 1964 der 563-Karat-Saphir «Stern von Indien», der aus einem New Yorker Museum gestohlen wurde. Die Diebe wurden in Miami schnell
gefaßt, und einer verriet auch das Versteck - in der Hoffnung, dafür straffrei auszugehen. Die Hoffnung war trügerisch, er bekam seine Strafe. Für heutige Touristen bringen Mancinis Geschichten
das richtige Kribbeln in den Urlaub und bieten Stoff für wilde Erzählungen zu Hause. Die Hotelgebiete in Miami Beach gehören freilich zu den sichersten in Florida. Weitere Informationen gibt es
bei Crimetours, 111 North East 1st Street, 9th Floor, Miami, FL 33132, USA, Telefon 001-305-3580727, Internet www.crimetours.com.
toa/sas
ADN5001 30. April 1999 10:16 Uhr

Alpen-Adolf, der doch nur ein
Postbote mit Depressionen war
Alpen-Adolfs Revolver
Mancini























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