Tropische Schnäppchenjagd in Malaysia - Währungsverfall in Asienbringt Luxusherbergen samt Butler zu Spottpreisen auf den Markt

Kuala Lumpur (ADN). Während deutsche Touristen für den USA-Urlaub satte 20 Prozent mehr zahlen müssen als noch vor zwei Jahren, können sie auf der anderen Seite der Erdkugel jetzt deutlich sparen. Die Währungskrise in Südostasien hat den Wert der Mark beispielsweise gegenüber dem malaysischen Ringgit um ein Drittel steigen lassen. Dazu kommen Überkapazitäten im großstädtischen Hotelangebot und noch werden die Zimmer in heimischer Währung abgerechnet.

«Es ist Wahnsinn, aber der Markt diktiert die Preise», sagt der Verkaufsmanager des neuen Renaissance Hotels in Kuala Lumpur, Jochen Schmid. Für eine Nacht im marmorpolierten Fünf-Sterne-Hotel mit Frühstück sind pro Person im Doppelzimmer umgerechnet nur 69 Mark fällig. In der höheren Club-Ebene sind es knapp 80 Mark pro Person, dafür gibt es Butler-Dienste rund um die Uhr. «Wenn die Währung weiter fällt, sind wir im Sommer bei unter 50 Mark je Person - das gibt es nirgendwo sonst auf der Welt», meint Schmid.

114.000 Hotelzimmer gibt es in ganz Malaysia, mit allein 20.000 davon führt die Hauptstadt die Statistik an. Neue Luxushotels schossen in den vergangenen Jahren wie Pilze aus dem Boden, aber die Geschäftskunden aus den sogenannten Tigerstaaten werden wegen der Finanzknappheit immer weniger. «Südkorea können Sie schon abhaken», berichtet Schmid. Die Einführungspreise seines Hotels werden voraussichtlich bis Jahresende beibehalten, schätzt er.

Nach einer Studie der Kreditkartenorganisation Visa ist Kuala Lumpur derzeit die preiswerteste Stadt Südostasiens für Urlaub und Geschäftsaufenthalte, erklärt die Direktorin des staatlichen Malaysia Tourism Promotion Board, Cindy Lim. Eine Werbekampagne, um auf das einmalige Preis-Leistungs-Verhältnis hinzuweisen, werde vorbereitet. Den Tourismus als Devisenbringer braucht die Nation dringend. Der Fremdenverkehr ist nach der Industrie der zweitgrößte Wirtschaftsfaktor. Jährlich über sieben Millionen Menschen besuchen das Land und geben hier 11,2 Milliarden Ringgit (etwa 4,6 Milliarden Mark) aus. Aus Deutschland kommen über 63.000 Besucher, die 125 Millionen Ringgit (52 Millionen Mark) ausgeben.

Die Probleme Südostasiens sieht der Besucher in Malaysia kaum. Die 20 Millionen Einwohner haben eine breite Mittelklasse in gepflegten Vorortsiedlungen entwickelt. Allein an einer Ecke der Innenstadt von Kuala Lumpur florieren fünf Einkaufszentren mit 600 Geschäften und fünf Kaufhäusern. Glitzernde Konsumpaläste wachsen in anderen Vierteln aus dem Boden. Durch die Stärke der Mark ist Elektronik und Fotooptik oft nur halb so teuer wie in Deutschland. Mit Hochdruck wird an den Sportstätten zu den Commonwealth-Games im September gearbeitet. Erwartet werden 6.000 Sportler aus fast 70 ehemaligen britischen Kolonien. Von einer Bewerbung um Olympia wird bereits hinter vorgehaltener Hand gesprochen.

Malaysia sei ein sicheres Ziel auch für alleinreisende Frauen oder Rucksacktouristen, versichert Cindy Lim. 60 Prozent der Besucher seien deshalb «Wiederholungstäter», die sich an den 4.800 Kilometern Küstenlinie, auf den über 200 Inseln oder im tropischen Regenwald tummeln. Für Neueinsteiger hat die nationale Fluglinie Malaysia Airlines Sonderprogramme mit preiswerten Strandhotels, Mietwagen oder Rundreisen für einen Zwischenstopp beispielsweise auf dem Weg nach Australien oder Neuseeland aufgelegt.

Weitere Informationen gibt es beim Malaysia Tourism Promotion Board, Rossmarkt 11, 60311 Frankfurt/Main, Telefon 069-283782, Fax 069-285215 und bei Malaysia Airlines, An der Hauptwache 7, 60313 Frankfurt/Main, Telefon 069-13871920, Fax 069-13971960.

ADN5001 30. Jan 98 09:56 Uhr

Petronas-Towers
Das höchste Gebäude der Welt: Die Petronas-Towers in Kuala Lumpur sind vom Renaissance-Hotel aus zu sehen.

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