Chicagoer Wahrzeichen "Loop" wird 100 - Älteste aktive Hochbahn der Welt lockt mit wenig Kriminalität und Sonderangeboten für Touristen

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"Straßen"kreuzung der Jahrhundertwende

Chicago (ddpADN). Die wildesten Verfolgungsjagden kommen aus Amerika, das weiß jedes Kind. Der Gruntein für diese Kulturleistung wurde schon vor der weiten Verbreitung des Autos gelegt. Im Frühjahr des Jahres 1900 lieferte sich die Polizei mit einer Stadtbahn in Chicago eine wilde Jagd - und verlor. In Chicago fährt heute die älteste aktive Hochbahn der Welt. 1892 nahmen die "elevated Trains" - angehobene Züge - den Dienst auf. Am 12. Oktober 1897 eröffnete die Bahn im Geschäftszentrum der Innenstadt, die heute eines der Wahrzeichen der Stadt ist. Die Strecke formt eine Schleife um die Häuserblocks und wird deshalb wie der Stadtteil kurz nur noch "The Loop" genannt.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zum wichtigsten Industrie- und Handelszentrum des mittleren Westens, die Bevölkerungszahlen explodierten. Autos gab es nicht und so starteten 1859 die ersten Pferdebusse, gefolgt von mit Stahlkabeln gezogenen Bahnen, die bald ihre Kapazitätsgrenzen erreichten. Warum also nicht in die Höhe gehen, wie es die Konkurrenz in New York seit 1867 vormachte? 1869 wurde in Chicago das erste Gesetz erlassen, das die Konstruktion von Hochbahnen erlaubt. Doch nichts geschah. "Bis zur Jahrhundertwende wurden 70 Gesellschaften auf dem Papier gegründet - die meisten von Immobilienmaklern oder Lokalpolitikern, um zu spekulieren", berichtet Historiker Bruce Moffat.

Am 6. Juni 1892 nahm dennoch die erste Hochbahn den Betrieb auf. Die Lokalzeitung berichtete von vier Wagen mit insgesamt 27 Männern und drei Frauen im ersten Zug. Später nahm der Betrieb zu und die Bahn wurde zum wichtigsten Verkehrsmittel der Stadt. Insgesamt vier Gesellschaften betrieben Strecken. Das innere Stadtzentrum war jedoch weniger erschlossen. 1897 sollte sich das ändern, als die verschiedenen Zubringer miteinander verbunden wurden und die bis heute bestehende Schleife um ein Quadrat von je etwa 1,5 Kilometern Seitenlänge formten. Zu Feiertagen wie 1899 transportierten allein zwei Firmen 360.000 Passagiere in über 1.000 Zügen durch die "Loop". Die Hochbahn war erfolgreich wie kaum ein Transportunternehmen. 1926 wurden auf allen Strecken 229 Millionen Fahrgäste gemeldet.

Dem Aufstieg folgte ein schneller Fall durch die Arbeitslosigkeit der Weltwirtschaftskrise und den Siegeszug des Autos. 1930 wurden noch 183 Millionen Fahrgäste gezählt, 1931 schon 30,5 Millionen weniger. Ende 1944 meldete das zusammengeschlossene Transportunternehmen einen Verlust von 34 Millionen Dollar. Die Generalversammlung des Bundesstaates Illinois beschloß die Gründung der Behörde "Chicago Transit Authority (CTA)", die 1947 die Konkursmasse aufkaufte. 1952 kamen die Busgesellschaften dazu.

Ohne die CTA wäre Chicago heute nicht mehr lebenähig. "Mit Bussen und Bahnen befördern wir jährlich über 440 Millionen Menschen", sagt CTA-Mitarbeiter Donald Myers. 2.000 Busse und 1.200 Zugwaggons sind auf zusammen fast 150 Routen unterwegs - für 1,50 Dollar je Fahrt. Touristen beruhigt die Behörde mit ihrer Statistik, nach der die Kriminalitätsfälle in ihren Gefährten zwischen 1986  und 1995 um 60 Prozent gefallen ist. "Weniger als ein Prozent aller Kriminalität der Stadt passiert in unseren Bussen oder Bahnen", versichert Myers. Und Touristengegenden seien besonders sicher.

Für Besucher der Stadt hat die CTA einen Faltplan mit allen touristischen Höhepunkten herausgebracht, der an den Stationen ausliegt. Vom erhobenen "Standpunkt" kann man sich einen Überblick über die Bauwerke der Innenstadt machen. Von Juni bis Oktober wird jeweils am Samstag nachmittag ein freier Rundkurs auf der Loop-Strecke über 40 Minuten mit Erklärungen in Englisch angeboten. Tickets gibt das Chicago Cultural Center aus.
toa/clp
101003 Oktober 1997
dan133 3 vm 494 vvvvt ddp/ADN5001 sdt

Zentrale der CTA
CTA-Zentrale

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