Passagiere müssen nicht mehr die Beine anziehen - Hong Kong schließt seinen alten Flughafen und eröffnet Chep Lap Kok
Hong Kong (ADN). Unwillkürlich zieht der Mann in Reihe 14 die Beine ein. Das Flugzeug befindet sich gerade im Landeanflug auf Hong Kong und das ist nichts für schwache Nerven, zumindest auf den Fensterplätzen. Hochhäuser stehen unmittelbar um den Airport Kai Tak und die Maschine scheint die Antennen abzurasieren oder mit den Flügeln an irgendeinem Balkon hängenzubleiben. Die Landung hier gilt als die schwierigste der Welt - für Piloten und Passagiere. Wer den Nervenkitzel unbedingt braucht, sollte sich aber beeilen. Am 5. Juli, 22.30 Uhr landet die letzte Maschine auf Kai Tak. Am 6. Juli wird der neue Großflughafen Chek Lap Kok in Betrieb genommen. Die «politische» Eröffnung ohne Linienflüge ist schon am 2. Juli.
Chek Lap Kok, so hieß einmal eine verträumte Insel, die 25 Kilometer westlich der Innenstadt lag. Doch von der Insel ist nur noch der Name geblieben. Heute erstreckt sich das Flughafengelände sechs Meter über der Wasseroberfläche auf 1.250 Hektar Fläche (Kai Tak bringt es gerade mal auf 333 Hektar). Drei Viertel davon wurden dem Meer abgerungen. Nur 31 Monate bis Januar 1996 dauerten die Erdarbeiten. Aber wie bei einem permanenten Urknall wurden in dieser Zeit 56.000 Tonnen Sprengstoff gezündet, um 70.000 Kubikmeter Fels zu zermalmen. Insgesamt mußten 347 Millionen Kubikmeter Material umhergekarrt weden - zehn Tonnen pro Sekunde - und machten das Vorhaben zum größten seiner Art weltweit. Am auffälligsten ist das neue Abfertigungsgebäude. Mit einer Länge von 1,3 Kilometern hat es eine Grundfläche von 516.000 Quadratmetern - acht mal mehr als Kai Tak.
Die Flughafenbehörde spricht von einem «grünen Airport» und kündigt das Terminal als «Niedrigenergie-Haus» an. Das Dach ist mit einer speziellen Wärmeisolierung versehen, über Reflektoren kommt Tageslicht ins Gebäude. In unbenutzten Regionen wird das Licht und die Klimaanlage gedämpft. Der Rolltreppenbetrieb wird dann auch eingestellt. 35 Millionen Passagiere sollen hier pro Jahr starten und landen - fünf Millionen mehr als in Kai Tak. Möglich ist eine Erweiterung auf bis zu 87 Millionen Passagiere. Dafür gibt es mit 12.500 Plätzen in der Halle vier mal mehr Sitze. 8.000 neue Gepäckwagen wurden aus Deutschland geordert. 13.400 Koffer sollen pro Stunde an den 288 Aufnahmeschaltern abgeferigt werden. 102 Lifte und 63 Rolltreppen sorgen für Bequemlichkeit, ein 30.000-Quadratmeter-Einkaufszentrum für Abwechslung. Damit niemand seinen Abflug verpaßt, wurden 2.000 Info-Bildschirme aufgestellt, sieben mal mehr als bisher.
Hong Kong will mit dem neuen Flughafen seine führende Stellung im asiatischen Luftverkehr halten und ausbauen. In einem Umkreis von fünf Flugstunden um Chek Lap Kok lebt die Hälfte der Erdbevölkerung. Die International Air Transport Association (IATA) schätzt, daß die Passagierzahlen bei internationalen Flügen in Asien von 135 Millionen 1995 auf 400 Millionen 2010 ansteigen. Zehn Großflughäfen in der Region sind in Bau - kurz vor Hong Kong eröffnete in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur ein neuer Airport.
All das hat für die Hong-Kong-Chinesen seinen Preis, auch die zwei schwebenden Skulpturen über den Passagieren und die anderen Kunstwerke im Terminal. Neun Milliarden Hong-Kong-Dollar (zwei Milliarden DM) kosteten die Erdarbeiten, zehn Milliarden das Terminal, 1,88 Milliarden die technische Ausstattung. Doch der Flughafen ist nichts ohne eine schnelle Anbindung in die Stadt und so entstand das Airport Core Programm mit neuen Brücken, Straßen Gewerbeflächen und Siedlungen im Umfeld. Das gesamte Programm wird 155,3 Milliarden Hong-Kong-Dollar (36 Milliarden DM) umfassen - ein Drittel stammt aus privaten Quellen.
toa/
ADN5000 26. Jun 98 10:30 Uhr






















INHALT
USA
Bermuda
Puerto Rico
Hong Kong
Malaysia
China
Australien
Ägypten
Europa
Thüringen
Airlines
Hotels
Comics
Zeitungsseiten
Persönliches
Links
Bewerbung



