Der letzte macht das Flugzeug sauber - Statt mit Stewardessenballett kämpfen US-Airlines mit
lockeren Sprüchen um Aufmerksamkeit
Chicago (ADN). Stewardessenballett wird die Erklärung der Sicherheitsvorrichtungen und Notausgänge im Flugzeug manchmal
hämisch genannt. Da steht die junge Frau im Gang, verrenkt sich die Arme, zeigt Sicherheitsgurt und Sauerstoffmaske, aber niemand schaut ihr zu. Wer das zweite Mal in einem Flugzeug sitzt, fühlt sich schon als
Vielflieger und mißachtet ihre Bemühungen demonstrativ.
In den USA lassen sich die Flugbegleiter deshalb manchmal etwas mehr einfallen, als nur stummes Ballett. Wenn schon nicht viel Service auf der Kurzstrecke, dann wenigstens Spaß, scheint die Devise. Vor Weihnachten
gehen in der größten Luftfahrtindustrie der Erde wieder die besten Sprüche des Jahres auf Reisen. Ein Mitarbeiter schickt sie dem anderen mit elektronischer Post und schwört, daß die Zitate echt sind. Kostproben
gefällig? «Es gibt wahrscheinlich 50 Wege Ihren Liebhaber zu verlassen, aber nur vier aus diesem Flugzeug!», weckte eine Stewardess die entrückten Passagiere bei der Sicherheitsinformation auf.

Folgen beim Verzicht auf's
Stewardessen-Ballett
Ein Flugbegleiter von Southwest Airlines: «Der Gurt funktioniert wie jeder andere und wenn Sie nicht damit umgehen können, sollten Sie sich vielleicht nicht unbeaufsichtigt in der Öffentlichkeit bewegen. Wenn die
Sauerstoffmasken herausfallen, stellen Sie das Schreien ein, greifen eine und ziehen sie über Ihr Gesicht. Ziehen Sie Ihre Maske über, bevor Sie Kindern helfen. Wenn Sie mit zwei Kindern reisen, entscheiden Sie sich
jetzt, welches Sie mehr mögen.» Und noch einmal zu den Sauerstoffmasken: «Bitte legen Sie zuerst Ihre an, bevor Sie Kindern helfen oder Erwachsenen, die sich wie Kinder benehmen.»
Ganz kritisch wird es beim Rauchen. In Amerika werden Raucher fast wie Asoziale behandelt, auf keinem Linienflug ist Rauchen mehr erlaubt. Die Warnungen sind entsprechend hart: «Rauchen in der Toilette ist verboten.
Wer beim Rauchen erwischt wird, wird aufgefordert, daß Flugzeug sofort zu verlassen.» Etwas höflicher geht es auch: «Wir haben leider keine Raucherplätze. Wenn Sie rauchen müssen, kontaktieren Sie ein Mitglied
der Crew und wir werden Sie zur Tragfläche des Flugzeugs begleiten.»
Mit den Tragflächen ist das aber so eine Sache, wie der Pilot einer anderen Maschine meint: «Leute, ich habe das Anschnallzeichen
ausgeschaltet. Bewegen Sie sich wie Sie möchten, aber bitte bleiben Sie im Flugzeug bis wir landen - es ist etwas kalt draußen und wenn Sie auf den Flügeln wandern, beeinträchtigt das die Flugeigenschaften.»
Auch ohne Passagiere auf den Tragflächen ist die Landung manchmal hart. Das kann am Wetter oder am Piloten liegen. Nach einer extrem harten Landung verließen die Passagiere grimmig die Kabine bis eine
ältere Frau kam und den Offizier am Ausgang fragte: «Sind wir gelandet oder wurden wir abgeschossen?» American Airlines ging es in Amarillo/Texas an einem sehr stürmischen Tag mit ebenso harter
Landung nicht besser. Der Flugbegleiter durch die Lautsprecher: «Ladies and Gentlemen, bitte bleiben Sie sitzen bis der Kapitän das, was vom Flugzeug übriggeblieben ist, zum Gate gefahren hat.» Und ein anderer
Spaßvogel: «Wir bitten Sie, sitzenzubleiben bis Kapitän Känguruh uns zum Terminal gehüpft hat.»
Nach der Landung geht es erleichtert nach draußen. Manchmal mit diesem
netten Hinweis: «Bitte nehmen Sie alle Ihre Sachen mit. Alles was liegenbleibt, wird unter den Flugbegleitern aufgeteilt. Bitte vergessen Sie keine Kinder oder Eheleute. Der letzte macht das Flugzeug sauber.»
toa/clp
ADN5002
18. Dez 98 10:08 Uhr






















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