Die reiche Mary wohnt als Geist auf Nob Hill - Inter-Continental Hotel San Francisco bietet besten Blick und beste Geschichten

alter Kofferanhänger

San Francisco (ADN). Manche Zimmermädchen im Mark Hopkins Inter-Continental Hotel San Francisco sträuben sich vor Nachtarbeit. «Sie haben angeblich die tote Mary Hopkins im weißen Gewand gesehen oder Pferdewiehern in der Garage gehört», erzählt Maria Kuhn, die rechte Hand von Hoteldirektor Sandor Stangl. Große Sorgen macht man sich in der Geschäftsführeretage deshalb nicht. Mary Hopkins war immerhin eine der elegantesten Frauen der Stadt im ausgehenden 19. Jahrhundert und solche Geister läßt man sich im höchstgelegenen Hotel von San Francisco gern gefallen. Bisher hatte sich ja auch noch kein Gast beschwert, höchstens, weil er Mary nicht gesehen hat.

Mary dürfte sich ziemlich verloren vorkommen in dem 19stöckigen Art-Deco-Turm des Hotels. Sie hat ihn in ihrem Leben nie zu Gesicht bekommen. 1879 wurde ihre Villa an der gleichen Stelle bezogen. Gebaut hatte sie ihr Mann Mark, Mitbegründer der Central Pacific Eisenbahnlinie und einer der reichsten Männer seiner Zeit. Die Villa war die teuerste auf dem Nob Hill - dem exklusivsten Wohnviertel über San Francisco. Geholfen hat das aber nichts. Mark starb noch vor dem Eizug und ließ Mary als reichste Witwe des Staates Kalifornien zurück. Vier Jahre später zog sie an die Ostküste und heiratete im Alter von 73 Jahren einen 46jährigen Innenarchitekten.

Wie zur Strafe durch Mark - der die überteuerte Villa nur auf Drängen von Mary baute - hatte auch das prächtige Haus nur noch ein paar Jahre vor sich. Nach dem großen Erdbeben von 1906 wurde es mit den anderen Häusern der Straße gesprengt, um der Feuersbrunst in der Innenstadt den Weg abzuschneiden. Was blieb, war ein leeres Baugrundstück mit einer Granitwand und ein paar Schornsteinen. 1925 erst wendete sich das Blatt, als der Bergbauingenieur George Smith das Gelände kaufte und den Bau des damals prächtigsten Hotels der Stadt begann - es wurde als Mark Hopkins Hotel 1926 eröffnet.

Bis heute ist es Dank seiner einzigartigen Lage auf der Spitze von Nob Hill schon von den Stadtgrenzen aus zu sehen. Und die Sicht vom Hotel aus ist genauso atemberaubend, auch für Gäste, die kein Zimmer im Hotel haben: 1939 wurde das Penthaus in der Turmspitze zur Bar «Top of the Mark» umgewandelt. Während des Zweiten Weltkrieges nahmen die Matrosen hier mit ihren Liebsten einen letzten Drink. Wenn die Schiffe dann durch das Golden Gate fuhren, drängten sich die Zurückgelassenen an den Fenstern der Nordwestseite, die schnell den Beinahmen «Tränenecke» erhielt.

Nach dem Krieg blieben Hotel und Bar Treffpunkt der Gesellschaft. Könige, Schauspieler, Präsidenten und ganz normale Leute haben den Blick genossen. Als der französische Präsident General de Gaulle in den 60er Jahren auf Staatsbesuch im Hotel schlief, verwechselte er den Portier mit einem ranghohen US-Offizier und gab ihm einen militärischen Gruß. Türsteher Mark O'Neil salutierte stramm zurück, wird bis heute berichtet.

Direktor Stangl ist auch mit der Gegenwart zufrieden. «An den Wochenenden kann es eng werden. Häufig sind wir dann trotz der 390 Zimmer ausgebucht», berichtet er. 40 Prozent der Kunden sind Geschäftsreisende, 20 Prozent kommen aus dem Ausland und da vor
allem aus Italien, Deutschland, Spanien und Großbritannien. Weitere Informationen bei Mark Hopkins Inter-Continental, One Nob Hill, San Francisco, CA 94108, USA, Telefon 001-415-3923434, Fax 001-415-4213302.

toa/tuf
ADN5001 15. Februar 1999 09:59 Uhr

Hotelbau in den 40ern
Das Hotel in den 40ern

Villa
Die alte Villa der Hopkins

Fensterputzer
Fensterputzer am Top of the Mark

Bar
Top of the Mark - die Bar

Lobby
Die Lobby in den 60ern

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