Armani-Brille und Lauren-Hemd sind in Hong Kong am billigsten, Chanel-Parfüm in Frankfurt - Studie vegleicht Touristeneinkäufe

am billigsten ist es bei lokalen Händlern

Hong Kong (ADN). Neidvoll blicken die Kollegen und die Nachbarin fängt plötzlich im Hausflur Gespräche an. Die Investitionen in die neuen Designerklamotten haben sich gelohnt. Was zum Glück niemand weiß: Der ganze Spaß war fast zum Spottpreis zu haben. Das Polohemd von Ralph Lauren kostete 39 Prozent weniger als zu Hause, die Brille von Armani 35 Pronzent und der Samsonite-Koffer 20 Prozent. Gekauft in Hong Kong, wo die drei Artikel 1997 weltweit am billigsten waren. Das geht aus einer aktuellen Studie von «The Economist Intelligent Unit» über elf Weltstädte hervor. Zur Ehrenrettung von Deutschland kann nur Chanel-Parfüm zerstäubt werden, das hier ein Drittel billiger als im Weltdurchschnitt zu haben ist.

«The Economist Intelligence Unit» - ein Ableger der renommierten britischen Wirtschaftszeitung «The Economist» - stellt seit 1992 Preisvergleiche zur Konkurrenzfähigkeit Hong Kongs an. Untersucht wird dabei ein Warenkorb mit 15 Luxus- und Qualitätsprodukten, die Touristen in Metropolen am häufigsten einkaufen: beispielsweise CD-Abspieler, Autofocus-Kamera, Video-Kamera, zwei Desinger-Taschen, Designer-Schuhe, Gameboy, Parfüm, Diamantring und eine SchweizerRolex-Uhr. Zu den verglichenen Städten gehören unter anderem New York, Paris, London, Tokio und Bangkok. Preise werden an drei Orten notiert: Discounter, Fachhändler und Spezialhändler in erstklassiger Lage. Schlußverkaufspreise kommen nicht in die Wertung.

In Europa liegt Frankfurt an billigster Stelle, davor buhlen nur noch vier asiatische Städte mit günstigeren Preisen. Der Warenkorb ist hier für 99 Prozent des weltweiten Durchschnittspreises zu haben. Am schlechtesten schneidet in Europa London ab, wo die Sachen 17 Prozent teurer als der Durchschnitt sind. Weltweit am ungünstigsten einzukaufen ist mittlerweile in New York mit einem satten Aufschlag von 18 Prozent. Für Deutsche erschwerend kommt der explodierende Dollar-Kurs dazu. Das sonst immer geschmähte Tokio behauptet sich mit plus 14 Prozent und das noble Paris liegt nur ein schlappes Prozent teurer als der Durchschnitt. Dafür sind in Paris die einfachen Hotels oft noch günstiger als in der deutschen Main-Metropole.

Bis 1996 war Hong Kong jedes Jahr eindeutig die billigste Weltstadt zum Shopping mit einem Tiefststand von 29 Prozent unter dem Durchschnitt im Jahr 1994. 1996 waren es noch 15 Prozent und im  vergangenen Jahr 14 Prozent. Die einstige Kronkolonie wurde aber überholt von Bangkok mit 19 Prozent unter Weltdurchschnitt und Taipei mit 22 Prozent. Vor einer überstürzten Flugbuchung muß die Studie aber weitergelesen werden: Beide Städte verdanken ihren Aufstieg nur der Rolex-Uhr (in Taipei ein Drittel billiger als der Durchschnitt) und dem Diamantring (44 Prozent billiger in Bangkok). Aber ehrlich, welcher deutsche Tourist mit Gürteltasche und Shorts kauft eine 8.400-Mark-Uhr im Urlaub?

«Hong Kong ist noch immer ein sehr wettbewerbsfähiges Ziel zum Einkaufen, es bietet außerdem eine große Auswahl an Kultur, Unterhaltung und Gastronomie», heißt es in der Studie. Die Stadt biete eine einzigartige Verbindung östlicher und westlicher Lebensart und ihr Transportsystem sowie die touristische Infrastruktur seien deutlich besser entwickelt als im Rest der Region. In jedem Fall wären die Attraktionen der Stadt so groß, daß Besucher auch bei leicht veränderten Einkaufspreisen kommen würden. «Hong Kong ist bereits das New York oder London von Asien», ist der letzte Satz der Studie.

toa/tba


ADN5001 16. Mrz 98 09:43 Uhr

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