«Da ist ja gar kein Blut mehr» - Ford-Museum zeigt neben anderen Präsidentenlimousinen auch Kennedys Wagen mit Einschußlöchern
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Detroit (ADN). Der kleine Robert kann es einfach nicht fassen.
«Da ist ja gar kein Blut mehr», nörgelt er und der Vater schaut
etwas verschämt auf die anderen Besucher des Ford-Museums in der
nordamerikanischen Automobilhauptstadt Detroit. Der fernsehgeschulte
Robert und ein paar andere Knirpse stehen gerade vor dem Höhepunkt
der Einrichtung - einer Reihe von Präsidentenfahrzeugen von Theodore
Roosevelt über Dwight Eisenhower bis Ronald Reagan. Mit original
Einschußlöchern wird auch die offene Limousine präsentiert, in der
John F. Kennedy am 22. November 1963 in Dallas ermordet wurde. Das
Blut ist freilich wirklich weggewischt.
Dem Autopionier Henry Ford wurde einmal nachgesagt, daß er keinen
Sinn für Bildung und Geschichte habe. Ford wuchs auf einer Farm auf
und lebte bis an sein Ende in ziemlich konservativen Maßstäben. Daß
er ohne Bildung sei, wollte er jedoch nicht auf sich sitzen lassen.
1929 gründete er das Ford-Museum in Detroit (USA-Bundesstaat
Michigan) und zusammen mit dem benachbarten Greenfield Village ist
es heute eines der flächenmäßig größten Museen der Welt. Abgesehen
von der Darstellung der Fordschen Karriere, die er als 32jähriger
mit der Konstruktion des ersten Wagens «Quadricycle» begann, ist im
Ford-Museum die gesamte Geschichte des US-Fahrzeugbaus zu sehen.
Ein Glanzlicht ist die Allegheny Lokomotive. Sie ist mit einem
Gewicht von 600 Tonnen und 8.000 Pferdestärken Kraft die größte, die
je gebaut wurde. In der Sektion «Made in America» werden mehr als
1.500 seltene Stücke aus dem 18. bis 20. Jahrhundert ausgestellt.
Besucher können sich in alten Radioapparaten, Fernsehgeräten,
Telefonen und anderen Geräten «verlieren». Es lohnt sich ein
Museumsbesuch für die ganze Familie. Vorgestellt wird beispielsweise
die Entwicklung der Küche vom 18. Jahrhundert bis 1930. Für Kinder
gibt es gesonderte Exponate «zum anfassen», auch ein Besuch im
Datennetz Internet ist möglich.
Wer immer noch glaubt, Disney-Land sei das beste Museum für
US-Kultur, befindet sich auf dem Holzweg. Echte amerikanische Kultur
abseits von Mickey Mouse läßt sich besser im 33 Hektar großen
Greenfield Village erkunden. Statt Schaumstoffmauern empfangen den
Besucher echte Steine und originale Gebäude. Höhepunkt unter den
knapp 80 abgetragenen und hier wiedererrichteten Gebäuden ist mit
Sicherheit das Menlo Park Laboratorium von Thomas Edison. Mehr als
400 Erfindungen von der ersten Glühbirne bis zum Phonographen wurden
hier entwickelt.
In Greenfield Village «lebt» jedes Haus. In der Firestone-Farm
beispielsweise sind kostümierte Museumsangestellte täglich dabei,
wie früher Wäsche zu kochen, Seife herzustellen und Kuchen zu
backen. Gleich um die Ecke liegt der Fahrrad-Shop der Gebrüder
Wright, die 1903 das erste richtige Flugzeug bauten, mit ihm in die
Luft gingen und sicher wieder landeten. Ganz klar, daß die beiden
Berühmtheiten mehrmals täglich leibhaftig auftreten, ihre Geschichte
erzählen und Besucher mit Kontrollfragen löchern.
Neben den täglich verfügbaren Attraktionen bietet das Museum noch
Höhepunkte zu verschiedenen Jahreszeiten. So sind im Juni Hunderte
Autos aus den 30ern bis in die 60er Jahre zu bestaunen. Im selben
Monat lockt ein Colonial Life Festival, das das Leben im 17.
Jahrhundert vorstellt. Musketen und Kanonen aus der Revolutionszeit
gehören dazu. Im Dezember glitzern Tausende kleine Lichter an den
Bäumen und empfangen den Weihnachtsmann mit seinem Rentierschlitten.
Das Museum ist täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet, zwischen Januar
und März sind allerdings die historischen Gebäude verschlossen und
nur von außen zu besichtigen.
toa/tuf
ADN5001 16. Februar 1998 09:17 Uhr

Versuche am Edison-Phonographen
Ein "Bruder Wright" vor
seinem Fahrrad Shop






















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