Schlechter Geschmack, aber modernste Technik - Zu Besuch in Henry Fords Haus "Fair Lane"

Fair Lane aus der Vogelperspektive
Detroit (ADN).Als
Millionär und späterer Milliardär hat man es nicht immer leicht. Als der Autopionier Henry Ford und seine Familie noch in der Edison Avenue von Detroit wohnten, wurden sie ständig von Reportern, Arbeitsuchenden oder Verkäufern gestört,
berichtet Mark Braden, der Manager des späteren Fordpalastes "Fair Lane" vor den Toren der Stadt in Dearborn. Fair Lane sollte das technisch bestausgestattetste Haus der Welt sein, hatte Ford gefordert. Trotzdem starb er hier
1947 bei Kerzenlicht - Hochwasser hatte die gesamte moderne Wunderwelt der neuesten Erfindungen lahmgelegt.
Ford galt als schwieriger Mensch, im konservativen Wertebewußtsein immer noch seiner Kindheit auf einer Farm verhaftet. Ein
Haus für ihn zu bauen war also eine riskante Sache. Eine Architektin des damals berühmten Präriestils übernahm den Auftrag 1909 und ließ bereits die ersten Fundamente setzen. 1912 feuerte sie Ford jedoch wieder - er hatte nach einer
Europareise seine Liebe für englische Landhäuser entdeckt und wollte vom modernen Präriestil nichts mehr wissen. Ein neuer Architekt kam ans Ruder, der für den Automagnaten bis 1915 einen 56-Zimmer-Bau hinklotzte, der alle möglichen Stile
zusammenwürfelt. "Henry Ford ist das einzige Markenzeichen, das Sinn dieses Mixes macht. Es ist eben das Haus eines der originellsten und kompliziertesten Männer des 20. Jahrhunderts", meint der Architekturkritiker Robert Lacey.
Ganz billig war das Durcheinander nicht. Ford hatte zwar ein Limit von 250.000 Dollar gesetzt, aber insgesamt kamen Kosten von 1,875 Millionen zusammen plus weitere 525.000 für die Umfeldgestaltung. Nach heutigem Geld die stolze
Summe von über 90 Millionen Dollar. Dafür waren zwischen 500 und 800 Maurer, Tischler und andere Arbeiter ein volles Jahr an dem einen Haus beschäftigt. So verworren die Architektur ist, so eindrucksvoll war aus damaliger Sicht die
Technik, die sich hinter den Mauern verbarg. Ford blieb bis an sein Ende ein naturverbundener Mensch. Die Badezimmer lieferten heißes und kaltes Regenwasser, das besonders weich sein sollte, sowie hartes Brunnenwasser. Aus Düsen strömte
bei Bedarf heiße Luft, um sich nach dem Baden zu trocknen. Das elektrische System wurde von Fords Freund Edison gestaltet. Die Energie wurde mit Wasserkraft erzeugt und für Notfälle in Batterien gespeichert. Ford hielt Wasserkraft für die
beste Form der Stromerzeugung. Neben Steckdosen findet sich in den Räumen immer noch ein Anschlußrohr für Saugluft. Auf diese Weise wurde hierstaubgesaugt.
Im Garten hatte Ford 500 Vogelhäuser installiert, um einem seiner größten
Hobbys, der Vogelbeobachtung nachzugehen. 10.000 Rosensträucher blühten in einem anderen Garten. Bis zu 25 Gärtner waren mit der Pflege der weitläufigen Anlagen betraut. Ford war ein traditioneller Familienmensch. So ließ er ein eigenes
Weihnachtsmann-Haus auf seinem Grundstück bauen. Zum Fest fuhren in seinem Auftrag Pferdeschlitten aus und luden die Kinder der Umgebung ein. Im Weihnachtsmann-Haus konnten sie dann Geschenke entgegennehmen und Kuchen essen. Ford selbst
lud seine Freunde gern ins rustikale Kaminzimmer ein und kochte dort für sie eigenhändig Fischsuppe über offenem Feuer. Danach kamen Musiker und einer der reichsten Männer der Welt gab Lektionen im ländlichen Tanzen. Nachdem auch Fords
Frau Clara 1950 starb verwaiste das Haus und ging letztendlich an die Universität von Michigan. Es ist täglich (im Winter außer Samstag) geöffnet. Wo früher die Schwimmhalle der Fords stand, kann man sich heute bei einem kräftigen Mahl im
Restaurant stärken.
Weitere Informationen: Henry Ford Estate, University of Michigan, Dearborn, MI 48128-1491, Telefax 001-313-593-5243, Telefon 001-313-593-5590.
toa/
1998

Ford und seine Frau Clara

Fords Bibliothek

Fords Schlafzimmer

Prächtiges Eßzimmer

Idyllische Landschaft
rund um Fair Lane























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