Über Mr. Goldfinger können Manhattans Banker nur lachen - Im sichersten Keller New Yorks lagern die größten Goldreserven der Erde

Eine Barabhebung ist ganz schön schwierig.
New York (ddpADN). Über Mr. Goldfinger, den Bösewicht aus dem gleichnamigen James-Bond-Film, kann Barton Sotnick aus New York nur lachen. Goldfinger wollte sich an den Goldreserven im amerikanischen Fort Knox vergreifen. Er wußte nicht, wie bescheiden seine Ansprüche waren. Sotnick weiß es. `Wir haben hier in Manhattan das gewaltigste Goldlager der Erde", verrät Sotnick, einer der Direktoren der Federal Reserve Bank (FED) of New York, auf dem Weg in die Tiefe seines Reiches.
24,4 Meter unter der Liberty Street öffnet sich die Fahrstuhltür. Kein Laut ist im sichersten Safe der Welt zu hören. Rund um die 6,5 Meter starken Kellerwände aus Beton liegt zusätzlich der Felsgranit, auf dem die Wolkenkratzer
tronen. Die Goldkammer ist nur über eine gigantische Tür zu erreichen. In einem 140 Tonnen schweren Rahmen aus Stahl und Beton dreht sie sich als ein 90 Tonnen gewichtiger Stahlzylinder, durch dessen engen Durchgang alles gehen muß. Ohne
Kraftanstrengung dreht der Wärter den kugelgelagerten Zylinder in die richtige Position. Dahinter liegen auf 2.500 Quadratmetern die Goldbarren - so wie im Baumarkt Ziegelsteine.
Knapp 10.000 Tonnen oder 170 Milliarden Mark sind
hinter 122 Gitterverschlägen mit jeweils dreifachen Schlössern versteckt. Das ist etwa ein Drittel aller Goldreserven der Erde. Die Vereinigten Staaten halten rund ein Viertel aller Reserven - Deutschland, Frankreich und die Schweiz
bringen nur zusammen so viel auf. In New York macht US-Gold allerdings nur einen minimalen Teil aus.
80 andere Nationen - von Afghanistan bis Simbabwe - lagern ihr Edelmetall in Manhattens sicherstem Keller. Wem welche Barren
gehören, verrät Sotnick nicht. Auch nicht, wer die `Goldwand" besitzt. Das eigentümliche Gebilde bis fast unter die Kellerdecke ist 3,5 Meter breit, 3,5 Meter hoch und 5,5 Meter tief. 107.000 Barren wurden hier `vermauert". Jeder
Barren wiegt mehr als zehn Kilogramm. Die Mauer kostet demnach rund 20 Milliarden Mark.
Sotnick nennt drei Gründe, warum das ausländische Gold ausgerechnet in New York liegt: Bequemlichkeit, Vertrauen und zentrale Lage. Sicher ist das Gold dank stabiler politischer Verhältnisse in den USA seit 200 Jahren. Und wenn Transaktionen zwischen Staaten einfach mit dem Verschieben von Goldbarren über ein paar Meter im Keller zu erledigen sind, dann ist das recht bequem.
Gar nicht bequem ist der Goldtransfer für die Angestellten der Bank. Hydraulik-Lifte und Förderbänder helfen zwar, aber das ständige Heben und Zurechtrücken der 10-Kilo-Barren strengt auch so noch genug an. Die Arbeitsgruppen
arbeiten deshalb in kurzen Schichten, die ständige Ruhephasen ermöglichen. Um die Füße vor herunterfallenden Barren zu schützen, ziehen sie superharte Magnesium-Galloschen über. Transaktionen in Gold erfordern neben Kraft
auch Geduld. 68 Millionen Mark können in Minuten per Scheck oder Computer bewegt werden. Wird Gold als Zahlungsmittel verlangt, dann vergehen Tage. Rund vier Tonnen wiegen die 68 Millionen Mark.

Die FED von außen
Eine der größten privaten Polizeitruppen Amerikas sichert das Gebäude mit seinem neun Meter hohen Haupteingang. In einem Augenblick können alle Eingänge verschlossen werden. `Da entgeht uns keine Maus", sagt Sotnick.
In der über 60jährigen Geschichte der Bank ist es noch nie zu einem Zwischenfall gekommen. Mr. Goldfinger wußte wahrscheinlich doch, warum er nach Fort Knox gezogen ist.
Hinweis: Der Goldkeller kann nur nach Voranmeldung besichtigt werden. Adresse: FED New York, Public Information Department, 33 Liberty Street, New York, NY 10045, USA, Telefon (212)720-6130.
toa/tba
150946 Mai 1995
dan078 3 vm 465 vvvvt ddp/ADN5002 sdt
Wachen am Eingang

Goldwaage

Durch dieses kleine Loch

muß das Gold kommen
Goldene Wände























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