Manche mögen's heiß - In Floridas Everglades kühlt sich Bootsfahrer Victor Ramires beim Spiel mit bissigen Alligatoren ab
Miami (ADN). Wenn es so richtig heiß ist in den Sümpfen Floridas, haben die schwitzenden Besucher Glück. Airboot-Fahrer Victor Ramires hält es dann in seinen schweren Stiefeln nicht mehr aus und steigt vor den Augen seiner Passagiere ins bauchhohe Wasser - zu den Alligatoren. «Der hier kennt mich schon», beruhigt der 19jährige die staunenden Bootsinsassen und füttert die Panzerechse mit Süßigkeiten, klopft ihr auf's Maul oder zieht sie am Schwanz weg, wenn sie seinem Unterleib zu nahe kommt: Vorsicht ist angebracht, denn Alligatoren lassen sich eben auch nicht mit Süßigkeiten zum Haustier erziehen.
Aber die Alligatoren haben die menschliche Zuneigung durchaus verdient. Sie leben in einem durch den Menschen gefährdeten Gebiet - den amerikanischen Everglades. Was aussieht wie ein 650.000 Hektar großer Sumpf, ist der am langsam
fließendste Fluß der Welt. Vom Okeechobee See im Norden wälzt er sich über 80 Kilometer Breite in den Golf von Mexiko - 30 Meter am Tag. Die Flußtiefe liegt zwischen 15 und 90 Zentimeter. Die 93.000 Hektar Mangrovenwälder, 231.000 Hektar
Binsengras, mehr als 400 Vogelarten, 60 verschiedene Reptilien und Tausende Pflanzenarten sind bedroht, auch wenn Touristen davon nichts sehen können. Das Wasser und seine Nutzung sind das Problem.
Millionenstädte nutzen die
Everglades als Wasserspeicher. Seit den 50er Jahren wurden durch Pioniere der US-Armee 3.000 Kilometer Kanäle und Deiche angelegt, um neue landwirtschaftliche Flächen in der Größe des Landes Brandenburg zu gewinnen. Dünger für Zuckerrohr-
und Obstplantagen verschmutzte das Wasser. Dann hat die Natur zurückgeschlagen. Die Zahl der Florida-Panther sank auf dramatische 30. Die Vogelpopulation ging um 90 Prozent zurück. Die Zahl der Seekühe an den Küsten schrumpfte von 30.000
auf 1.000.
Heute sind die Pioniere der US-Armee wieder allgegenwärtig an der einen Straße durch die Everglades. Sie zerstören die Arbeit ihrer Vorgänger und sollen wieder die Bedingungen herstellen, die vor dem Eingreifen des
Menschen herrschten. Der amerikanische Kongress stimmte dem größten Renaturierungsprojekt der Erde 1996 zu. Für die kommenden sieben Jahre hat Vizepräsident Al Gore 1,5 Milliarden Dollar angekündigt. Die Regierung kauft Land von den
Farmern zurück und erweiterte die Grenzen des geschützten Parks. Besucher sind trotz dieser Aktionen willkommen, können sie sich doch hier selbst ein Bild von der Schönheit der Landschaft machen und sich einen möglichen Verlust viel
deutlicher vorstellen.
Über eine Million Besucher streift jährlich durch die grüne Landschaft, ein Viertel davon Ausländer. Außerhalb des Nationalparks sind Airboote bevorzugtes Transportmittel, die flach auf dem Wasser liegen und
durch einen Propeller über der Oberfläche angetrieben werden. Im Park darf Kanu gefahren werden, außerdem gibt es mehrere Wanderstrecken. Auch für Kinder wird ein Besuch vom National Park Service empfohlen. Mehr als 10.000 Schüler nehmen
beispielsweise jedes Jahr am Bildungsprogramm der Umweltbehörde teil. Einzige und meist ausgebuchte Übernachtungsmöglichkeit im Park ist die Flamingo Lodge mit 103 Zimmern und 24 einfachen Hütten. Für einen Tagesausflug ist Miami der beste
Stützpunkt.
toa/tuf
ADN5001 12. Jun 98 10:10 Uhr






















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