Edison: Erfinder des Lichts und früher Multimillionär - Das Genielabor steht bei Detoit für jeden Besucher zur Erleuchtung offen

Edison und seine größte Erfindung
Detroit (ADN). "Mary hatt' ein kleines Schaf, sein Fell war weiß wie Schnee", knärzt und rauscht es aus dem Lautsprecher. Das waren also die ersten Worte, die der Erfinderkönig Thomas Alva Edison 1877 zum ersten Mal in den gerade entwickelten Phonographen sprach. Dem Dutzend Kinder im Freilichtmuseum Greenfield Village bei Detroit hat es die Sprache verschlagen. Sie stehen gerade im rekonstruierten Laboratorium Edisons und haben den 1847 geborenen Meister selbst gehört. Auf den Tischen neben ihnen liegen die ersten Glühlampen und eine Etage tiefer ist "Edisons letzter Hauch" in einem Glas versiegelt. Doch das Schweigen ist nur kurz, bevor ein Sturm von Fragen über die zwei Museumsführer hereinbricht.
Das Laboratorium stand bis zum Anfang des Jahrhunderts in Menlo Park (USA-Bundesstaat New Jersey) und wurde 1929 von Edisons glühendem Verehrer Henry Ford (Besitzer der gleichnamigen Autofabriken) in den Detroiter Vorort
Dearborn gebracht, wo es zur Keimzelle des weltgrößten Freiluftmuseums wurde. Zwischen 1876 und 1882 betrieb Edison die Einrichtung, bevor er in einen größeren Komplex umzog. In dieser Zeit entwickelte er in Menlo Park zusammen mit seinen
Mitarbeitern 400 Patente. Insgesamt besaß der "Zauberer von Menlo Park" bis zu seinem Tod mit 84 Jahren 1093 Patente, mehr als je ein einzelner Mensch
sonst. Die bedeutendste Erfindung Edisions war die Glühlampe, mit der weltweit das elektrische Zeitalter für die Massen eingeleitet wurde. "Er hat die Welt wirklich erleuchtet", meint der
Projektmanager des Museums, John Bowitch. Elektrische Lampen waren nichts völlig unbekanntes. In Europa beleuchteten manche Städte ihre Straße mit Lampen, die den Lichtbogen zwischen zwei
Polen ausnutzten. Das Licht war allerdings sehr grell und die Lampen konnten nicht zu Hause oder in Büros verwendet werden.

Das Labor in Menlo Park - heute wieder aufgebaut bei Detroit
1878 machte sich Edison an die Lösung des Problems, allerdings ohne den nötigen Erfolg. Im Herbst
ging ihm gar das Geld aus und er mußte zu einem Trick greifen: Um Investoren zu interessieren bediente er sich der Presse und einer Halbwahrheit. Edison lud sich einen New Yorker Reporter ein
und erklärte, er habe die Glühlampe entickelt, es gebe nur noch ein paar Randprobleme. Zum Beweis schaltete er eine Birne mit Platinfaden ein. Der Reporter war begeistert. Was er nicht wußte:
Der Platinfaden brannte nur ein paar Minuten und Edison hatte rechtzeitig wieder ausgeschaltet. Der kleine Betrug brachte Edison zumindest das benötigte Geld für die weitere Forschung. Die weitere
Geschichte ist bekannt. Edison untersuchte 1.500 Materialien von Kupfer über Stahl und Nickel, aber keines funktionierte. Seine Mitarbeiter wollten aufgeben, Edision blieb bei der Stange. Erst die Idee,
einen Kohlefaden (verkohlte Baumwolle) in einem luftleeren Zylinder erwies sich als richtig. Im Frühjahr 1879 leuchtete die erste Glühlampe. Die Lebensdauer lag bei 45 Stunden, weitere
Verbesserungen brachten 200 Stunden. Das war der Durchbruch.
Wer war dieser "Zauberer", der Tonaufzeichnung, Licht und schließlich das Kino brachte? Edison
wurde am 11. Februar 1847 als siebentes Kind eines Müllers geboren. Nach der Überlieferung war er ein ewig fragender Junge, der Dinge auch gern selbst ausprobierte. Beim Ausbrüten von Eiern
unter seinem Hintern war er allerdings nicht so erfolgreich und als er einmal fast das ganze Haus abbrannte, gab es vom Vater öffentlich Prügel. Die Lehrer beklagten sich über zu viele "dumme
Fragen" und Edison hatte das Schlußlicht in der Klasse. Seine Mutter nahm ihm deshalb von der Schule, unterrichtete ihn selbst und spornte ihn zum Experimentieren an. Mit zwölf begann er,
Lebensmittel in Zügen zwischen seiner Heimatstadt Port Huron und Detroit zu verkaufen. Im Bürgerkriegsjahr 1862 hatte er dabei eine Idee, die ihm das erste "große" Geld einbringen sollte. In
Detroit ließ er sich 1000 Zeitungen geben und bat den Telegraphenmann, die Zeitung mit den neuesten Schlachten-Nachrichten in den folgenden Stationen per Morsesignal anzukündigen. Es
funktionierte, die Leute auf den Dörfern und in den Kleinstädten zahlten das Doppelte und Dreifache für die Zeitung. Edison kam mit Taschen voller (Klein-)Geld nach Hause. Später arbeitete er selbst
als Telegraphenmann und führte mehrere Verbesserungen ein.
Sein erstes Patent erhielt er für eine Maschine, mit der Stimmen bei Wahlen registriert werden
konnten. Noch heute wird in den USA "maschinell" mit einem elektronischen System die Stimme abgegeben und nicht auf einem Zettel in eine Urne eingeworfen. Der Vorteil: sofort nach Abschluß
der Wahl liegt ein Ergebnis vor und muß nicht erst lange ausgezählt werden. Den Startschuß für eine selbständige Erfinderkarriere gab 1869 aber erst die Entwicklung eines Börsentickers, der die
neuesten Kurse ausspuckte. Eine Firma in New York zahlte Edison dafür die damals unglaublich große Summe von 40.000 Dollar, mit der er sich selbständig machte. Das Interesse an seiner Arbeit
in der "Erfinderfabrik" in Newark bei New York wuchs so stark, daß er sich 1876 das Laboratorium in Menlo Park baute, wo er sich im gleichen Jahr an die Verbesserung des gerade erfundenen Telefons
machte. Edison führte Hörer und Sprecher mit Kohlegries als Umwandler akustischer in elektrische Signale ein, eine Technik, die bis weit in unser Jahrhundert Bestand hatte. Was damals nur wenige
wußten: durch eine Entzündung in der Kindheit konnte Edison schlecht hören und arbeitete deshalb ständig an Verbesserungen bei der Sprachübertragung.
Alleine wäre Edison aber kaum so weit gekommen und vom armen Landjungen zum Multimillionär aufgestiegen. In seinem Labor arbeiteten dutzende junge Mitarbeiter mit ihm, manchmal 80 Stunden
in der Woche. "Es war eine verschworene Gemeinschaft", sagt Bowitch. Es gab Ausflüge zum Fischen, Nachtessen, Musikwettbewerbe und jede Menge Streiche, an denen Edison kräftig
mitarbeitete. Im Museumsdorf ist auch das Haus von Sarah Jordan wiederaufgebaut, in dem viele der jungen Mitarbeiter damals wohnten, oder eher hausten. Nach Überlieferungen wurde hier nur
geschlafen, geraucht (Edison dagegen haßte Zigaretten), Karten gespielt oder gelesen. "Dafür war es wahrscheinlich das erste mit Glühlampen ausgestattete Haus der Welt", glaubt Bowitch. Die
Lampen leuchten übrigens heute noch. Es handelt sich allerdings nicht mehr um die echten von damals, sondern um originalgetreu hergestellte Kopien.
toa/
1997






















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