Sportsgeist bei Besichtigung des weltgrößten Art-Deco-Viertels nötig - Geschichtstour durch Miami Beach per Fahrrad oder In-Line-Skatern

Das Colony - Musterbeispiel für Miami Art Deco

Miami (ddpADN). Wer die weltgrößte Ansammlung von Gebäuden aus
dem Art-Deco-Zeitalter besichtigen will, sollte nicht ganz
unsportlich sein. Im subtropischen Miami Beach (US-Bundesstaat
Florida) werden Interessenten an einer Tour durch das geschichts-
und geschichtenträchtige Viertel zu einer zweistündigen Rundfahrt
auf das Fahrrad gebeten. In-Line-Skaters - die schnellen Nachkommen
der alten Rollschuhe - sind in der Gruppe ebenso willkommen.

Die Nachfrage nach den Angeboten der Miami Design Preservation
League (MDPL) - einem Denkmalschutzverein - steige ständig,
berichtet die deutsche Mitarbeiterin Eva Arnold. Mit
deutschsprachigen Programmen habe auch die Zahl von Besuchern aus
der Bundesrepublik deutlich zugenommen. "Es hat sich
herumgesprochen, daß Miami neben Sonne und Strand noch rund 1.200
Häuser in einem einmaligen Stil von den 20ern bis zum Anfang der
50er Jahre bietet", berichtet sie.

1915 wurde Miami Beach, eine der Großstadt Miami vorgelagerte
Landzunge, als Stadt registriert. Von Anfang an stand der Tourismus
im Mittelpunkt der meisten Unternehmungen. Vor allem in den 20er und
30er Jahren war die Gegend mit ihren kleinen Hotels Anziehungspunkt
für den Mittelstand. Mit dem aufkommenden Flugtourismus in den 60er
und 70er Jahren kam allerdings der große Niedergang und das
Art-Deco-Viertel stand vor dem Abriß.

1976 gründete die New Yorker Designerin Barbara Captiman die MDPL
mit heute 600 Mitgliedern und erreichte die Aufnahme des Viertels in
das nationale Denkmalregister. Erste Häuser wurden in den 80ern
renoviert, Modemacher Calvin Klein ließ seine Unterhosenkollektionen
hier ablichten und die Gegend entwickelte sich zu einem Treffpunkt
der Modefotografen, denen Hoteliers und Touristen folgten.
Designerstar Versace ließ sich einen alten Palast wieder herrichten.
80 Prozent der alten Gebäude wurden bereits renoviert, 40 Prozent
total saniert, berichtet Frau Arnold.

Das Art-Deco-Viertel ist fast zu beliebt geworden. Noble Shops
beginnen kubanische Cafes und Lebensmittelhändler an den Rand zu
drängen, Appartement-Hochhäuser werden am Rand der geschützten Zone
geplant. "Wir sehen schon die Gefahr, daß der historischer District
von Wolkenkratzern eingekreist wird", warnt Frau Arnold. Mit dem
jährlichen Art-Deco-Weekend, 1997 vom 17. bis 20. Januar, soll mit
Straßenfesten, Film-Festival, einem Ball und Straßentheater für die
Einmaligkeit des Viertels geworben werden.

Bis dahin wird die letzte Perle an der Flaniermeile Ocean Drive,
das verwaiste Tides-Hotel, allerdings noch nicht geschliffen sein.
Im Frühjahr soll das 1936 eröffnete Hotel wieder als eines der
ersten Häuser des Viertels auferstehen. Mit seinen zehn Stockwerken
ist es das höchste Gebäude an der Uferstraße. Geplant ist unter
anderem, die 118 Zimmer zu Appartements und Luxussuiten umzubauen.
Außerdem soll nach dem Willen des Projekt Managers James Lloyd ein
Restaurant mit "Weltklasse-Küche" neue Standards setzen.

Informationen gibt die Miami Design Preservation League, P.O.Box
190180, Miami Beach, Florida 33119-0180, USA, Fax 001-305-672-4319.
Island Outpost Hotels sind zu erreichen in 1330 Ocean Drive, Miami
Beach, Florida 33139, USA, Fax 001-305-531-5543.


toa/clp
30. September 96

Alte Postkarte vom Park Central Hotel
Alte Postkarte vom Park Central Hotel

Ocean Drive mit einer Reihe historischer Hotels
Ocean Drive mit seinen Deco Hotels ist heute Flaniermeile

Das Walldorf Hotel bei Nacht
Das Walldorf Hotel bei Nacht

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