«Schrecklich. Aber wahr» - Dschungeldichter David Raeburn beschert Inselhotel in Malaysia Touristenboom

Das Datai: ein Hoteltraum
Langkawi (ADN). «Schrecklich. Aber wahr», steht auf der roten Visitenkarte. David Raeburn mag Überraschungen - davon bestreitet er seinen eigenwilligen Lebensstil. Der 31jährige aus dem englischen Stradford zieht es vor, nur im Juli und August seine kühle Heimatinsel heimzusuchen. Den Rest des Jahres tingelt er um den Globus auf der Suche nach Wärme. Er wohnt nur in besonderen Hotels und das auch noch umsonst, er speist nur in den feinsten Restaurants und auch das, ohne einmal in die Brieftasche zu langen. Raeburn ist «Spontandichter», der gerade die verwöhnten Gäste im Hotel «Andaman» auf der malayischen Insel Langkawi bei Laune halten soll. Den Spaß zahlt die Hoteldirektion - zur Freude des Poeten.
Während sie im Restaurant gespannt die Speisekarte untersucht und er schon an der Vorsuppe nippt, schleicht sich Raeburn an. Der Kopf ist glattrasiert, im Ohr ein gewaltiges Gehänge und die Kleidung ganz in Schwarz. Mißtrauen macht
sich bei dem Pärchen breit, als Raeburn von ihnen die Preisgabe von drei Wörtern fordert. «Ein irrer Tommy im Regenwald?», fragen sie sich wohl heimlich. Aber aus den drei Wörtern schmiedet Raeburn in Sekundenschnelle ein kleines Gedicht,
über das nicht nur die zwei Überfallenen lachen. Selbst als dem Dichter am deutschen Tisch als letzte vorstellbare Schwierigkeitsgrenze der Begriff «Streichholzschächtelchen» vorgeworfen wird, will Raeburn nicht verzweifeln und baut das
Monster in seine englischen Witz-Reime ein.
Hoteldirektor Leo Kuscher, ein Österreicher, ist an diesem Abend wieder zufrieden. Die Gäste sind glücklich und werden die Geschichte weitererzählen. 190 Zimmer der Oberklasse und Suiten
müssen gefüllt werden, 1997 lag die Auslastung in dem neuen Hotel bei rund 40 Prozent, im Januar 1998 schon bei 72 Prozent. An diesem Abend geht Kuscher aber noch einmal an die Hotelbar unter freiem Himmel. «Sehen Sie!», ruft er plötzlich
hektisch, «Da sind wieder unsere fliegenden Lemuren». Zwischen den Bäumen segelt wirklich eine Art Eichhörnchen mit Fledermausarmen umher. Im Andaman muß man mit dieser Art Bargästen rechnen: Das Haus liegt zwar an einer versteckten
Meeresbucht, aber schon dahinter beginnt der Urwald. «166 Vogelarten habe ich hier zum Beobachten», berichtet Kuscher über seinen paradiesischen Job.
Der Münchener Markus Engel hält nicht viel von fliegenden Lemuren. Als
Wirtschaftsdirektor im Andaman-Schwesterhotel «Datai» kann er die gefräßigen Tierchen nicht gebrauchen. Viel ausrichten kann er gegen sie aber auch nicht. Die spektakuläre Anlage mit nur 108 Zimmern und Suiten, davon 40 kleine Bungalows,
ist mitten in den Urwald gesetzt. Traditionelle malayische Bauweise kennzeichnet die Häuser, die Einfassung des Pools erinnert dagegen wieder an einen Maya-Tempel im Dschungel. «Auslastungsprobleme haben wir nicht, eher im Gegenteil»,
meint Engel. Und die Nachfrage wächst weiter. Durch die Abwertung des malayischen Ringgit werden die Hotelzimmer für Europäer immer preiswerter. Je nach Wechselkurs ist das Doppelzimmer bei Direktbuchung im Andaman schon ab 100 Mark pro
Person zu haben.
Weitere Informationen: The Andaman, Jalan Teduk Datai, 07000 Pulau Langkawi, Kedah Darul Aman, Malaysia, Fax 00-60-4-9591168. Eine gebührenfreie deutsche Telefonnummer verbindet zum Londoner Verkaufsbüro beider
Häuser: 0130-854278.
toa/sas
ADN5001 03. Mrz 98 09:49 Uhr
Die Lobby des Andaman
Die Datai-Bucht






















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