Wenn Opa das enge Jacket auszieht - Odyssey Cruises lockt mit luxuriösen Schiffskreuzfahrten durch Washington, Boston und Chicago

Washington at nighttime
Panorama des nächtlichen Washington

Washington (ADN). Bob Shaw hat Grund zum Lachen. Hinter ihm steht ein Tisch mit einem Traummenü, und vor ihm zieht eine Traumstadt vorbei - Washington bei Nacht mit seinen angeleuchteten Monumenten und Regierungspalästen. Aber nicht die Umgebung treibt ihm die Freude ins Gesicht. Ihm gehört das Kreuzschiff, das den Potomac-Fluß entlangtreibt. «Als wir 1991 mit solchen Touren anfingen, wurden wir noch belächelt. Heute bieten wir in drei amerikanischen Großstädten unsere Dienste an», sagt der Präsident von Odyssey Cruises.

In Chicago, Boston und seit 1995 in der Hauptstadt Washington schippern Odyssey I, II und III. Was amerikanische Touristen bis dahin nur aus Paris kannten und für die Krönung der Romantik hielten - eine Flußkreuzfahrt mit Dinner, Musik und Kerzenschein - können sie sich jetzt auch zu Hause leisten. Entsprechend hoch ist die Erwartungshaltung. Ein Pärchen hat sich in feinen Zwirn geworfen und nippt schon mal am Eiswasser. Eine Großfamilie feiert irgendein Jubiläum, Opa mit dem engen Jacket und den Turnschuhen muß die Fotos machen. Die Stimmung ist anfangs nicht ganz so amerikanisch-locker.

Dafür sind die Preise auf durchaus amerikanischem Niveau. Am preiswertesten ist die zweistündige Mittagsfahrt mit Mehrgangmenü von Montag bis Freitag für 32 Dollar (etwa 52 DM) pro Person, am teuersten ist das dreistündige Abendessen am Samstag für 82 Dollar (135 DM) - alkoholische Getränke müssen extra gezahlt werden.

Die Nachfrage beeinträchtigt das nicht. Vor allem in den beliebtesten Reisemonaten im Frühjahr und Frühherbst sind die Schiffe häufig ausgebucht und ohne Reservierung ist wenig zu machen. 600 Passagiere faßt die preisgekrönte Odyssey III. Von jedem Platz aus bietet sich dank Vollverglasung eine atemberaubende Sicht. Außerdem führt eine breite Lauffläche außen um das gesamte Schiff - die nicht reservierten Stühle im Halbdunkel sind ein idealer Platz für vertrauliche Gespräche.

Nach dem Desert wird die Stimmung doch noch gelöst. Opa hat das enge Jacket ausgezogen und das Liebespärchen im feinen Zwirn wirbelt über die Tanzfläche. Schuld an dem Stimmungswandel haben zwei Musikgruppen, denen behäbige deutsche Gemütlichkeit völlig fremd ist. Wäre nicht die eisige Klimaanlage, könnte die Stimmung leicht überkochen. «Unser Erfolg läßt sich nur an einem messen - den Erinnerungen unserer Gäste», meint Shaw großzügig. Damit die Erinnerungen frisch bleiben, werden am Ende der Fahrt noch die vor der Tour aufgenommenen Fotos des Odyssey-Fotografen angeboten. Die meisten Gäste greifen zu, manche bleiben aber auch liegen.

Weitere Informationen: Odyssey Cruises, 600 Water Street SW., Washington, DC 20024, Telefon 001-202-4886000, Fax 001-202-4886011, Internet www.odysseycruises.com.

toa/tuf


ADN5001 16. November 1998 09:17 Uhr

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