«Wer ein Bud bestellt, fliegt raus!» - Historisches Restaurant in San Francisco hat amerikanischem Industriebier den Kampf angesagt

Braumeister Scott Turnnidge
Braumeister Scott Turnnidge

San Francisco (ADN). «Wer ein Bud bestellt, fliegt raus!», droht Braumeister Scott Turnnidge. Mit seinem kahlgeschorenem Kopf und dem Ohrring wirkt er schon recht bedrohlich. Ein «Bud» ist ein in den USA gebrautes Budweiser-Massenbier und unerschöpfliche Quelle für den Spott deutscher Touristen. Für deutsche Zungen ist der Biergeschmack etwas dünn. Deshalb gibt es im historischen Restaurant «The Beach Chalet» am Pazifikstrand von San Francisco auch kein «Bud», sondern eine eigene Minibrauerei. Und die stellt erstklassiges Bier her, das ist sicher.

Wer das nach einer Runde mit sieben kleinen Versuchsgläsern zugibt, wird Turnnidge auch gleich viel sympathischer und entspannter finden. Hinter dem Meister verbirgt sich ein verkappter Musiker, der seine Band wegen permanenter Geldprobleme verließ und eher zufällig ins Brauereigeschäft stolperte. Für ein sicheres Einkommen wurde er Koch bei der größten Brauerei-Kneipe in Colorado, nach einem Jahr braute er selbst Bier und wenig später wurde er Chefbrauer in der neuen Außenstelle.

«Ob da Begabung war?», wiederholt er die Frage, «Ja, ich wußte, wie man Bier trinkt.» In den Genen muß es ihm aber auch gelegen haben. Der Vater ist Engländer und einmal jährlich flog die Familie ins Vereinigte Königreich, das mit ungezählten Varianten von Ale und Bitter gesegnet ist und «Bud» nur als Hundenamen kennt. «Ich mochte dieses englische Bier eigentlich schon immer und habe das Ale-Studium zu meinem Hobby gemacht», sagt Turnnidge.

Als das Beach Chalet im Januar vergangenen Jahres wiedereröffnet wurde, kehrte Turnnidge in seine Heimatstadt zurück. Gebraut wird heute in sieben Tanks. 18 verschiedene Biersorten braut der Meister zu verschiedenen Perioden. Die Palette reicht vom (wirklich guten) deutschen Weizenbier bis zum malzigen Ale. Sechs bis zwölf Stunden verbringt er hinter den Kulissen. Und wenn er frei hat, musiziert er mit seinem Freund, dem Klassikpianisten Richard Radcliffe.

Aber gemeinsame Musikstunden sind rar: Radcliff ist Chefkoch im Beach Chalet. Beinahe wäre er wirklich Pianist geworden, berichtet der heutige Koch, aber seine Finger haben sich schließlich doch für andere Instrumente entschieden: Messer, Töpfe und Pfannen. An der California Culinary Academy holte er sich bis 1984 das Rüstzeug, perfektionierte es in einem Spitzenlokal San Franciscos und ging dann auf sechsmonatige Hochzeitsreise durch Europa, um «die echte Philosophie von Essen und Kochen kennenzulernen».

Wer jetzt an kleinste Portionen mit größter Garnierung denkt, liegt falsch. «Essen ist am besten, wenn es einfach nur schmeckt, ohne viermal über den Gaumen geschoben zu werden», sagt Radcliff. Manche Gäste machen das trotzdem - es ist einfach zu gut. Der Koch liebt Mediterranes und Seefrüchte, entsprechend bunt ist die Karte. «Die Leute sollen ins Menü schauen und nicht wissen, was sie nehmen sollen, weil alles so gut klingt», beschreibt er sein Ziel. Auch kein Problem: Das Beach Chalet ist preisliche Mittelklasse.

Gebaut wurde das Chalet 1925 als Lounge und Umkleideraum. In der Krise der 30er Jahre wurden Wandbilder, Mosaiks und Schnitzereien von Künstlern in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen hinzugefügt. Später gab es hier ein Teehaus, eine Armeestation und eine Strandbar, bis es 1981 heruntergewirtschaftet und die Schließung nicht mehr aufzuhalten war. Im gleichen Jahr erklärte man das Chalet zum Denkmal, doch erst 1997 konnte es renoviert wiedereröffnet werden. Weitere Informationen: The Beach Chalet, 1000 Great Highway, San Francisco, CA 94121, Telefon 001-415-3868439, Fax 001-415-3864125.

toa/sas
ADN5001 16. Oktober 1998 09:34 Uhr

Klassikpianist Richard Radcliffe
Chefkoch Richard Radcliffe

Braten

Eigentümer
Die Eigentümer Greg und Lara Trupelli

Gegrilltes
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