Todd kocht im schlimmsten Fall auch ohne Zutaten - Je mehr ihn die Gäste im Campton Place herausfordern, umso ehrgeiziger wird der Koch

Todd Humphries
Todd Humphries

San Francisco (ADN). Der Kellner zuckt kurz zusammen. Noch bevor er dem Gast die Speisekarte überreichen kann, gibt der ihm eine Liste mit Stoffen, auf die er allergisch reagiert. Darunter Zwiebeln, Knoblauch, Schnittlauch, Sahne, Olivenöl und Artischocken, ohne die die Hauptgerichte nicht vorstellbar sind. Nun soll das Restaurant im Campton Place Hotel in San Francisco zu den 25 besten in ganz Nordamerika gehören, aber kochen ohne Zutaten kann selbst der Chefkoch nicht. Es sei denn, er heißt Todd Humphries, der die Herausforderungen seiner Gäste zum persönlichen Sport gemacht hat.

«Wenn Sie es nicht sehen, fragen sie einfach danach», fordert der Chefkoch. Der empfindliche Mann bekam Zitronensuppe und eine Auswahl raffiniert zubereiteter Gemüse und Früchte. «Als Hotelkoch muß man immer gegen zwei unverwüstliche Vorurteile ankämpfen: Hotelküchen können nicht gegen unabhängige Restaurants konkurrieren und der Chefkoch hat keine Zeit für individuelle Wünsche», begründet Humphries den Aufwand. Die Zeit muß er sich dann eben nehmen. Zwar macht das Restaurant nicht aggressiv Werbung mit dieser Philosophie, aber die Mundpropaganda reicht völlig, um Humphries auszulasten.

Wer mit der Herausforderung der Küche nicht ausgelastet war, kann sich an der Bar weiterversuchen. Eine Legende über die Erfindung des Martinis spielt in San Francisco. Angeblich wollte im vergangenen Jahrhundert ein Reisender nach Martinez auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht noch etwas Erfrischendes. Er bekam die Mischung, die dann als Martini bekannt wurde. Jetzt will ein Barkeeper aus San Francisco dem Martini die Krone aufsetzen, mit der Campton Kur. Gemeiner Vodka wird durch Zitronen Vodka ersetzt und Wermut durch süßen Cointreau. «Viel fruchtiger und raffinierter», verspricht Barkeeper Michael Grohmann und hofft, irgendwann mit der «Campton Cure» auch einmal zur Legende zu werden.

Das Campton Place Hotel gehört zu den traditionsreichsten der kalifornischen Metropole. 1909 wurde das Gebäude errichtet, 1916 im spanischen Kolonialstil auf 15 Stockwerke erweitert und «Drake Wiltshire Hotel» benannt. «Der Stil war damals extrem modern, noch dazu lag das Hotel unmittelbar am Weg zur Weltausstellung», erklärt Hotelmanager Paul Zuest. 1981 folgte eine Renovierung für 18 Millionen Dollar, um aus dem Wiltshire ein weltbekanntes Luxushotel zu machen. Aus 200 Zimmern wurden 126. 1996 wurden noch einmal vier Millionen Dollar investiert, um die Zimmerzahl weiter auf 117 zu reduzieren.

Die Investitionen haben sich offenbar gelohnt. Seit Jahren wird das Hotel unter den besten 20 des Landes geführt, schmückt sich mit fünf Diamanten und hat sich in die US-Liste der «Romantischsten Hotels» eingereiht. In der Lobby wurde mit Antiquitäten nicht gegeizt, die Zimmer sind klassisch von Designern eingerichtet. «Bei 117 Zimmern können wir uns um jeden Gast so kümmern, wie er es sonst höchstens bei einem privaten Familienbesuch gewöhnt ist, verspricht Zuest. Der Spaß ist nicht umsonst. Der Listenpreis für das günstigste Doppelzimmer liegt bei 120 Dollar (190 DM) pro Person,
Suiten gehen bis 1.050 Dollar. Die Frage nach Sondertarifen lohnt sich.

Weitere Informationen gibt Preferred Hotels & Resorts Worldwide, Schützenhüttenweg 30, 60598 Frankfurt/Main, Telefon 069-68609046,
Fax 069-682008.

toa/tuf

ADN5001 04. November 1998 09:45 Uhr

Restaurant
Todd Humphries' Reich im Hotel Campton Place

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