Den Weißen stockt der Atem - Ureinwohner Malaysias spielen im ältesten Regenwald der Erde mit Giftpfeilen und Touristen

Vorsicht: hier wird mit Giftpfeilen geschossen
Kuala Lumpur (ADN). Als der Eingeborene plötzlich das Blasrohr ansetzt, schlägt den weißen Eindringlingen das Herz bis zum Hals. Mit kräftigem Druck jagt er den Giftpfeil heraus und trifft: Die verwundete alte Schuhsohle hängt nur noch schlaff am Baum. Er lacht laut, zeigt sein ausgedünntes Gebiß. Jetzt sollen die vier Touristen einmal ihre Lippen an das braun gewordenen Holzmundstück setzen. Einer wagt es und der Häuptling ist zufrieden. Im ältesten (130 Millionen Jahre) und artenreichsten Regenwald der Erde, Taman Negara in Malaysia, werden so schnell neue Freundschaften geschlossen.
«Orang Asli» - die ursprünglichen Leute - werden die Ureinwohner von den zu Wohlstand gekommenen Malaysiern genannt. Sie selbst nennen sich Batek und ziehen als Nomaden durch den Busch. Sie sind nach einer staatlichen Broschüre
«klein, dunkelhäutig und freundlich». Bei einem Ausflug in den 1938 gegründeten Nationalpark Taman Negara läßt sich mit etwas Glück ein Besuch bei ihnen arrangieren. «Zu manchen Sippen haben wir Kontakt und wenn ihr Lager in Flußnähe
liegt, läßt sich etwas machen - aber nur mit sehr kleinen Gruppen», erklärt Park-Managerin Hafina Abu Bakar. Wer großes Glück hat, darf sogar bei einer Sippe übernachten.
Ein bißchen Mut - oder Überwindung - gehört zum Frühstück im
Reich des Häuptling aber dazu. Während das offizielle Taman Negara Resort 108 Zimmer in aufwendigen malayischen Holzhäuschen mit Bad, Schafzimmer und Klimaanlage bietet, geht es bei den Orang Asli etwas uriger zu. Kleine Zelte aus
trockenen Palmwedeln, ein dampfendes Holzfeuer, rostige Zivilisationskannen und eine handvoll wilder Kinder - alle mit Zigarette gegen mögliches Ungeziefer im Mund.
Wem das Eingeborenen-Abenteuer zu groß ist, kann sich auf einen
immer noch Mut verlangenden Marsch durch die Baumwipfel des Urwaldes machen. Unweit des Resorts beginnt der längste «Himmelsweg» - «Canopy Walk» - der Erde. In 30 Meter Höhe sind die insgesamt 500 Meter langen Hängebrücken von Baum zu Baum
gesetzt. Von hier aus bieten sich vor allem Wissenschaftlern, aber auch Touristen, einmalige Blicke in die Pflanzen und Tierwelt. Die schaukelnden Brücken werden nur mit Seilen und Knoten gehalten. 20 Tonnen Last halten die Konstruktionen
aus, also kein Grund für Ängstlichkeit.
Erholung nach all den Abenteuern gibt es beim Besuch einer malayischen Familie in einem Kampong-Dorf, der ebenfalls für Kleinstgruppen arrangiert werden kann. Die Frau des Hauses serviert in
solchen Fällen den berühmten Schwarzen Tee aus den Cameron Highlands und heimische Speisen. Der Gatte unterhält die Gäste und berichtet über das ganz normale Leben in Malaysia. «Diese Programme sind nicht so sehr touristisch, sondern
sollen vor allem Verständnis für unser Leben und unsere Kultur wecken», meint Frau Bakar.
Einen einfachen Weg in den 4.350 Quadratkilometer großen Nationalpark gibt es nicht. Bis zur Hauptstadt Kuala Lumpur fliegt Malaysia Airlines non-stop, dann folgen drei Stunden Autofahrt. Weitere zwei bis vier Stunden
Bootsfahrt auf dem Tembeling River vergehen, bevor das Resort erreicht wird. Straßen führen nicht hierher, dafür warten 8.000 Pflanzenarten, über 250 Vogelarten, und tiefer im Busch Tiger, Nashörner sowie Elefanten.

Buschtour
Weitere Informationen gibt es bei Asian Adventure, Laval-Platz 7, 40822 Mettmann, Telefon 02104-97310, Fax 02104-75129, eMail AsianAdventure@compuserve.com.
toa/tba
ADN5001
26. Januar 1999 09:34 Uhr

Der Häuptling nach dem Schuß

Urwaldkinder

Der "Himmelsweg"






















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