Erstes Bratwurstmuseum der Welt entsteht nicht in Thüringen, sondern in den USA - Initiiert von Deutschamerikanern der vierten Generation
Plymouth (ddpADN). Zwar halten sich die Thüringer für die
Bratwurst-Könige der Welt, aber bis auf Tausende Bratroste und
Wurstfabriken in jeder Ecke des Freistaates bieten sie wenig
Hintergrundinformationen. Wer an wissenschaftlicher Aufarbeitung der
Bratwurst-Geschichte interessiert ist, der hat erst wieder in
Übersee eine Chance. In Plymouth (US-Bundesstaat Wisconsin), einem
liebenswürdigem Nest an den Großen Seen, entsteht derzeit das erste
Bratwurst-Museeum der Welt. "Im nächsten Jahr soll alles fertig
sein", verspricht Alan Pape (54), einer der Initiatoren.
So wie sich die Thüringer für die einzig wahren Bratwurstbrater
halten, sind die Leute um Plymouth, Kohler und Sheboygan von sich
überzeugt und zumindest national unangefochten anerkannt. Die Gegend
wurde vorrangig von Deutschen besiedelt, die ihre Traditionen samt
Eßkultur mitbrachten. Pape und sein Mitstreiter James Prange (46)
sind Deutschamerikaner in vierter Generation und im Hauptberuf als
Konservatoren und Restauratoren tätig.
Ein Gebäude für das künftige Museum, die "Brat Hall of Flame",
haben sie bereits gekauft. Die leerstehende Möbelfabrik im Zentrum
von Plymouth bietet drei Etagen und soll zu einem einzigartigen
Brat-Zentrum ausgebaut werden. Vor dem Bau wird eine bronzene
Bratwurst-Fontaine stehen, an einer Ruhmeswand sollen besondere
Wurstmacher und - esser aus aller Welt
verewigt werden. Dazu kommt
ein Abenteuerspielplatz und ein Grillplatz für Familien.
Kochwettbewerbe sind ebenfalls vorgesehen.
Das eigentliche Museum befindet sich in der ersten Etage.
Präsentiert werden historische Grills, Bratzubehör und natürlich
Informationen über die "Evolution des Freiluftkochens von
prähistorischen Zeiten bis in die Gegenwart". Nicht fehlen darf eine
Abhandlung über die verschiedenen Methoden, einen Grill anzuzünden
und das Fleisch zu garen. "Daran ist schon so manche Familie
zerbrochen - wahrscheinlich seit der Urzeit", meint Pape.
In der zweiten Etage geht es im "Brat Restaurant" deftig zu. Ein
Bratwurststand von 1940 versetzt Besucher in die "gute alte Zeit"
zurück, als über Plymouth sechs Monate lang blauer Rauch wehte. Ein
eigenes
Bier mit dem Markennamen "Wurst Beer" ist ebenfalls geplant.
In der dritten Etage wird eine "Miniature German Beer Hall" mit
deutscher Musik und Polka eingerichtet. Große Fernsehbildschirme
zeigen verschiedene Filme und Sketche mit Bratwurst-Themen.
Die zwei selbsternannten "Brat Guys" (Bratkerle) Pape und Prange
haben dazu einen Schaumstoffhut in Form eines Brötchens mit
eingelegter Wurst entwickelt und vertreiben die Exemplare
erfolgreich via Internet (www.bratguys.com). Unterstützt wird das
Museum vom BLAST-Club (Brat Lovers All Stand Tall, zu deutsch etwa
Bratliebhaber halten zusammen), der eine Quartalszeitung herausgibt
und jährliche Touren nach Europa plant. Für Pape ist das Mutterland
der Bratwurst nichts unbekanntes mehr. In Eisenach am Fuß der
Wartburg lernte er die echte Thüringer Bratwurst selbst kennen.
"Die Brat Hall of Flame wird das Mekka für Millionen
Bratliebhaber werden", meint Pape. Zuvor muß aber noch Geld
beschafft werden. Das Museum verkauft
Anteilsscheine für 75 Cents je
Anteil, 600.000 Dollar werden in der ersten Phase benötigt. Das
Interesse sei gewaltig, freuen sich die Initiatoren. Gouverneur
Tommy Thompson schickte einen Werbebrief unterschrieben mit:
`Wishing you all the Wurst!" Die Bratguys sind zu erreichen über
CeleBrat Co., P.O. Box 500, Plymouth, WI 53073, USA, Telefon
001-414-893-2728.
toa/sas
160935 Juni 1997
dan082 3 vm 470 vvvvt ddp/ADN5001 sdt

Pape (rechts) und Prange






















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