Mit Armenmusik zu Reichtum - Reggae-Pionier Chris Blackwell sammelt heute historische Hotels im Art-Deco-District von Miami Beach

Buntes Cavalier-Hotel von Blackwell
Miami (ddpADN). Mit der Kultur der Armen ist Chris Blackwell (58) reich geworden. Er hat als erster "Reggae", die Musik der Insel Jamaica, professionell vermarktet. Anfang der 60er Jahre sprach noch niemand von diesem exotischen Rhythmus, und Jamaica hatte sich eher als Reiseziel für Gutbetuchte einen Namen gemacht. Gutbetucht ist Blackwell mittlerweile auch, nachdem er 1987 seine Plattenfirma "Island Records" für 300 Millionen Dollar - rund 450 Millionen Mark - an den Konzern PolyGram verkaufte. Das Geld investierte er in Miami Beach, wo er eine eigene Kette "Art Deco Hotels" gründete.
Zur Musik kam Blackwell 1962 als er seine Firma Island Records mit 5.300 eigenen Dollar in England gründete. Mit "My Boy Lollypop" landete er 1964 den ersten Hit und verkaufte sechs Millionen Platten. In seinem Erfolgsbuch stehen auch Namen wie Jethro Tull, Emerson, Lake and Palmer, B-52 und U2. Am bekanntesten ist Island Record für die Vermarktung der Reggae-Musiker Jimmy Cliff und Bob Marley, die vor 25 Jahren begann.
1971 kam Marley ohne einen Pfennig in der Tasche in das Büro von Island Records. Als Erfolgssänger zu Hause galt er für die großen Plattenfirmen als unexportierbareres Lokalprodukt. Blackwell ging das Risiko ein und ermöglichte Marley die erste Langspielplatte "Catch a fire". Obwohl Blackwell sich mit der Wirkung der Rasta-Botschaft, einer religiösen Einstellung der Jamaikaner, nicht sicher war, rechnete er doch mit dem Charisma Marleys, das die Kunden überzeugen würde. Er sollte Recht behalten.
1987 war die Zeit für neue Aufgaben reif und Blackwell verkaufte die Plattenfirma. Mit 300 Millionen Dollar in der Tasche machte er sich nach Miami Beach auf, wo er schon vor ein paar Jahren auf der Suche nach Musikern strandete. Blackwell kaufte nach kurzer Zeit das kleine `Marlin Hotel" im Art-Deco-Stil und richtete es mit zwölf Designer-Suiten ein (die Nacht von 300 bis 450 Mark). Im Erdgeschoß befindet sich eine bunte Kneipe in der Jamaica-Tradition.
Für die Besitzer großer Hotels lagen die Mini-Hotels aus den 30er und 40er Jahren unterhalb ihres Radars und wurden deshalb lange Zeit nicht beachtet. Aber Blackwell hat sich schnell mit seinen Mini-Hotels ein Mini-Imperium zusammengekauft: es folgten das im Übernachtungspreis deutlich preiswertere "Cavalier-Hotel" und das noch günstigere "Leslie-Hotel" (60 Mark pro Person im Doppelzimmer). Alle Zimmer sind pastellfarben im Karibikstil eingerichtet. Das luxuriöse "Casa Grande" wird von seiner Gruppe "Art Deco Hotes"betrieben. Das letzte an der Flaniermeile Ocean Drive leerstehende Alt-Hotel "Tides" wird gerade zu einem weiteren Luxushotel umgebaut.
"Ich habe niemals etwas nur des Geldes wegen gemacht", versichert der Unternehmer, "ich habe nur Sachen angefangen, die ich auch wollte. Und wenn man so herangeht, dann kommen Erfolg und Geld schon fast von alleine hinterher." Weitere Informationen: The Art Deco Hotels, 1320 Ocean Drive, Miami Beach, Florida 33139, USA, Telefon 001-305-5318800, Fax 001-305-5315543.
toa/tba
11. März 96 __






















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