Der englische Lord
Ashley probt den
Landhausstil in Amerika
- Aufgeknüpfte Kater an
der Türklinke bewachen
den Schlaf der Besucher

The Inn of Perry Cabin ist eines der schönsten Hotels in Maryland
Washington (ddpADN). Im Land der Indianerprinzessin Pocahontas
herrschen rauhe Sitten. Die Gäste des "Inn of Perry Cabin" in
St. Michaels (US-Bundesstaat Maryland) hängen statt abgewetzter
"Bitte-nicht-stören"-Schilder 20 Zentimeter große Plüschkater an die
Türklinke. Daß die Halteschnur am Hals des Kerls zerrt ist etwas
gewöhnungsbedürftig. Dafür sichert er garantiert die Nachtruhe und
vertreibt sogar die Geister, die in so alten Häusern herumspuken,
besonders, wenn sie einem waschechten englischen Lord gehören.
Lord Bernhard Ashley ist zusammen mit seiner mittlerweile
verstorbenen Frau, der Designerin Laura Ashley, reich geworden.
1953 hat Laura Ashley zusammen mit Ehemann Bernhard ihre
Designerkarriere in einer Londoner Wohnung begonnen, wo sie
Textilien mit traditionellen Mustern bedruckte. Der Erfolg stellte
sich schnell ein. Die Fabrik zog nach Wales und ist mittlerweile ein
an der Börse notierter internationaler Konzern geworden.
Ashley-Shops mit allem Zubehör für englischen Landhaus-Stil gibt es
heute auf der ganzen Welt.
"Ich mag Dinge, die für die Ewigkeit geschaffen sind", sagte
Laura Ashley und ihr Mann hält sich an die Vorgabe. Er eröffnete in
einem prächtigen Landhaus in Wales sein erstes Hotel "Langoed Hall",
stattete es mit alten Möbeln und Büchern sowie Ashley-Produkten aus.
Als nächstes folgte das "Inn of Perry Cabin", das 1820 erbaut wurde
und als Mittelpunkt einer Tabakpflanzung und Sitz einer Reitakademie
diente. Jüngstes Hotel in der Mini-Kette ist das 1912 erbaute
"Keswick Hall" im US-Bundesstaat Virginia. Beide Hotels mit 41 und
48 Zimmern liegen nur zwei Autofahrstunden von Washington entfernt.
Daß der Lord gerade in St. Michaels sein erstes Amerikaprojekt
startete ist eine Ironie der Geschichte. Der Ort an einer großen
Wasserbucht trägt den Beinamen "Stadt, die die Briten narrte". Um
einem Angriff der Briten zu entgehen, verdunkelten die Einwohner
1813 ihre Häuser und hängten dafür Laternen in die höchsten Bäume.
Die englischen Kanoniere feuerten über den Ort weg, weil sie sich an
den falschen Zielen orientierten. Eine einzige Kugel traf ein Dach,
rollte über den Boden und die Treppe und richtete kaum Schaden an.
Ashley kam bei Tag und ließ sich nicht narren. "Über unsere
Auslastung kann ich nicht klagen, fast schon das Gegenteil", meint
Inn-Direktor Stephen Creese. St. Michaels ist ein Städtchen mit fast
ausschließlich Häusern aus dem vergangenen Jahrhundert. Es soll die
höchste Dichte an Antiquitätenshops an der amerikanischen Ostkünste
haben. Die Chesapeake Bay
bietet 8.200 Kilometer zerklüfteter Küste
mit Hunderten Wasserarmen. Die Region gilt als Urlaubsgebiet für
jede Saison. Die Einheimischen rechnen nur in zwei Jahreszeiten:
Krabben von April bis Dezember und Muscheln von Oktober
bis März.
Beide Tierarten sind Haupteinnahmequellen für die hiesige Fischerei.
Im günstigeren Paket-Angebot ist noch ein Aufenthalt in "Keswick
Hall" vorgesehen. Statt maritimer Bootsfahrten sind hier Ausflüge in
das Hügelland von Virginia, zahllose Weingüter und die Kleinstadt
Charlottesville möglich. Hier lebte der Verfasser der amerikanischen
Unabhängigkeitserklärung, Thomas Jefferson, und betätigte sich als
Architekt. Wer ein paar Hundertausender übrig hat, kann in Keswick
auf den Spuren Jeffersons wandeln. Ashley möchte auf knapp 250
Hektar Land eine kleine Gemeinde mit 100 Häsern ansiedeln, die nur
im Stil der alten Zeit errichtet werden dürfen.
Informationen über Ashley House Hotels gibt es im Internet unter
den Adressen http://www.keswick.com
toa/tba
060946
Januar 1997
dan081 3 vm 481 vvvvt ddp/ADN5001 sdt

"Spielzimmer" im Inn

Laura Ashley und der
Lord

Tee-Time am Nachmittag

Maritimes Beiwerk























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